- EU-Kommission plant Anpassung der REACH-Verordnung, um zukünftig die Verwendung zahlreicher gesundheitsschädlicher PFAS zu beschränken
- Studie widerlegt von der Chemieindustrie behauptete ‚Doppelregulierung‘: jährlich 40.000 Tonnen Kältemittel bisher unreguliert
- DUH fordert Verbot aller gesundheitsschädlichen Ewigkeitschemikalien, für die Alternativen existieren
Die Chemieindustrie kämpft mit falschen Argumenten dafür, fluorierte Treibhausgase (F-Gase) aus der geplanten europäischen PFAS-Regulierung auszunehmen. Ihr zentrales Argument der angeblichen ‚Doppelregulierung‘ hält einem Faktencheck nicht stand, wie eine neue Studie von Öko-Recherche im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nun zeigt. Die bestehende F-Gas-Verordnung regelt zwar den Ausstieg aus besonders klimaschädlichen F-Gasen, lässt aber gesundheitsgefährdende und umweltverschmutzende Chemikalien weiterhin zu. Dazu zählt das in Millionen Autoklimaanlagen eingesetzte R1234yf, das sich bei Freisetzung binnen weniger Tage zur Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) abbaut. Kürzlich hat die Europäische Chemikalienagentur TFA als fortpflanzungsschädigend eingestuft.
Vor diesem Hintergrund fordert die DUH die EU-Kommission auf, PFAS-Verwendung konsequent zu verbieten, wenn sichere Alternativen verfügbar sind. Wo dies noch nicht der Fall ist, dürfen Ausnahmen nur eng begrenzt und zeitlich befristet gewährt werden.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Die Chemieindustrie behauptet fälschlicherweise, F-Gase seien längst ausreichend reguliert. Unsere Studie zeigt das Gegenteil: Trotz F-Gas-Verordnung werden jährlich rund 40.000 Tonnen Ewigkeitschemikalien als Kältemittel eingesetzt – auch in Zukunft. Genau diese Regulierungslücke muss die europäische PFAS-Beschränkung schließen. Die Chemieindustrie versucht, selbst fortpflanzungsschädigende PFAS schönzureden und weiterhin Milliardenprofite einzufahren. Wir fordern die EU-Kommission auf, den falschen Lobbyargumenten nicht nachzugeben und F-Gase wie R1234yf konsequent zu verbieten, wo längst sichere Alternativen verfügbar sind.“
Hintergrund:
F-Gase, die vor allem als Kältemittel beispielweise in Pkw-Klimaanlagen eingesetzt werden, sind mit rund 63 Prozent die größte Quelle von PFAS-Emissionen in Europa – und das trotz vorhandener natürlicher Alternativen. Besonders relevant sind neuere fluorierte Kältemittel, die zwar klimafreundlicher als ältere F-Gase sind, aber in der Atmosphäre zu TFA abgebaut werden. TFA gelangt mit dem Regen in Böden, Flüsse und Grundwasser, reichert sich dort langfristig an und lässt sich auch aus Trinkwasser nicht großflächig entfernen. Neben bestimmten PFAS-Pestiziden sind Kältemittel die bedeutendste Quelle von TFA in der Umwelt.
Derzeit wird bei der Europäischen Chemikalienagentur ein umfangreicher PFAS-Beschränkungsvorschlag erarbeitet, der differenziert PFAS-Anwendungen und verfügbare PFAS-freie Alternativen analysiert und Beschränkungen mit Ausnahmen und Übergangsfristen vorsieht. Auf dieser Basis wird die EU-Kommission die zentrale Chemikalien-Verordnung REACH anpassen.
Links:
- Studie von Öko-Recherche und Kurzzusammenfassung: https://l.duh.de/p261105
- PFAS-Humanstudie der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament: https://www.greens-efa…-europeans
PM Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH)