Zivi-Power – auch nach über 40 Jahren – Aus gemeinsamen Einsätzen wurde eine Verbundenheit, die bis heute anhält.

Wenn ich an meine Zeit Mitte der 1980er-Jahre im DRK-Rettungsdienst Schwäbisch Gmünd zurückdenke, werden viele Erinnerungen wach. Besonders die Zusammenarbeit mit den damaligen Zivildienstleistenden ist mir bis heute in guter Erinnerung geblieben. Es waren junge, aufgeweckte und gut gebildete Menschen, mit denen ich Dienst hatte, Einsätze fuhr und so manche Herausforderung meisterte.

Ich brachte ihnen das nötige Wissen für den Rettungsdienst bei – und lernte selbst einiges von ihnen. Ihre gute Allgemeinbildung, ihre Fremdsprachenkenntnisse und ihr sicherer Umgang mit der deutschen Sprache waren auch für mich eine Bereicherung. Es war ein gegenseitiges Geben und Nehmen, von dem beide Seiten profitierten.

Vertrauen, das im Einsatz zählt

Meine eigene Leistungsfähigkeit im Rettungsdienst hing wesentlich davon ab, wie gut mein Zivildienstleistender mitarbeitete. Gerade im Notfalleinsatz musste ich mich auf ihn verlassen können. Deshalb war es für mich selbstverständlich, ihm das notwendige rettungsdienstliche Wissen und die praktischen Fertigkeiten zu vermitteln.

Denn was ich dem Zivi beibrachte, kam mir im Ernstfall selbst zugute. Wer wusste, was zu tun war, mitdachte und die richtigen Handgriffe beherrschte, wurde zu einem verlässlichen Partner. So entstand aus Ausbildung, Vertrauen und gemeinsamer Verantwortung eine Zusammenarbeit, die weit über das bloße Erfüllen einer Dienstpflicht hinausging.

Nicht alle hauptberuflichen Mitarbeiter sahen in den Zivildienstleistenden von Anfang an einen vollwertigen Teil der Besatzung. Ich war jedoch überzeugt, dass man selbst entscheidend dazu beitragen konnte, dies zu ändern. Wer Wissen weitergab, Vertrauen schenkte und Verantwortung übertrug, konnte erleben, wie aus einem jungen Zivi eine wertvolle und leistungsfähige Einsatzkraft wurde.

Es war eine intensive Zeit, die nicht immer einfach war, aber viel Freude bereitete und von gemeinsamen Erfolgen geprägt war. Rückblickend möchte ich diese Jahre nicht missen.

Vom Zivi zum Professor

Eine Begegnung gegen Ende meiner aktiven Rettungsdienstzeit im Landkreis Göppingen ist mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Verkehrsbedingt stand ich mit dem Rettungswagen an einer roten Ampel in Geislingen. Neben mir hielt ein Pkw. Der Fahrer, ein Mann mit langen Haaren und Vollbart, blickte zu mir herüber und sagte ganz selbstverständlich: „Servus, Alfred!“

Ich schaute ihn an, konnte ihn aber zunächst nicht zuordnen. Auf meine Frage, wer er denn sei, antwortete er: „Kennst mich nicht mehr? Ich war 1983 Zivi in Schwäbisch Gmünd!“

Nun war meine Neugier geweckt. Ich fragte ihn: „Und was machst du heute?“

Seine Antwort hatte es in sich: „Ich bin Professor an der Uni.“

Das war eine Überraschung! Aus dem damaligen Zivildienstleistenden, mit dem ich einst im Rettungsdienst zusammengearbeitet hatte, war ein Universitätsprofessor geworden.

Diese kurze Begegnung hat mich beeindruckt. Sie führte mir vor Augen, wie viele Wege jungen Menschen offenstehen und welche Entwicklungen das Leben nehmen kann. Vor allem aber freute mich, dass er mich nach all den Jahren noch erkannte und sich an unsere gemeinsame Zeit erinnerte.

Vom Zivi zum Professor – und nach Jahrzehnten ein herzliches „Servus, Alfred!“ Für mich ist das eine jener Begegnungen, die zeigen, dass gemeinsame Erlebnisse nicht einfach verblassen.

Kameradschaft, die Jahrzehnte überdauert

Heute, mehr als 40 Jahre später, ist die damalige Verbundenheit noch immer spürbar. Regelmäßig treffen sich ehemalige Zivildienstleistende mit früheren hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Bei Speis und Trank werden Erinnerungen an gemeinsame Einsätze, Erlebnisse und besondere Situationen ausgetauscht. Natürlich kommen auch persönliche Geschichten und das Private nicht zu kurz.

Dabei wird deutlich, dass uns mehr verbindet als die gemeinsame Arbeit von damals. Es sind die Erfahrungen, die Herausforderungen, das gegenseitige Vertrauen und nicht zuletzt die Menschen, die diese Zeit geprägt haben.

Für mich sind solche Treffen weit mehr als ein gemütliches Wiedersehen. Sie sind ein Stück gelebte Kameradschaft und ein Zeichen dafür, dass aus einer gemeinsamen Dienstzeit dauerhafte Verbindungen entstehen können. Deshalb verdienen diese Begegnungen und die Erinnerungen an unsere gemeinsamen Einsatzjahre durchaus, festgehalten und weitergegeben zu werden.

Denn gute Zusammenarbeit, gegenseitiger Respekt und gemeinsam gemeisterte Herausforderungen verbinden Menschen oft ein Leben lang.

Das ist für mich echte Zivi-Power – damals im Rettungsdienst und heute, mehr als 40 Jahre später, immer noch!

Alfred Brandner

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