Bei vier von zehn Betrieben bleibt mindestens ein Ausbildungsplatz offen

Im Handwerk haben junge Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen gute Chancen auf einen erfolgreichen Berufsabschluss – allerdings zeigt die aktuelle Umfrage des Spitzenverbands Handwerk BW, dass fehlende und ungeeignete Bewerbungen die häufigsten Gründe für unbesetzte Ausbildungsplätze sind.
Viele Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg suchen Nachwuchs – können ihre angebotenen Stellen aber nicht vollständig besetzen. Bei rund 40 Prozent der Betriebe, die für das Ausbildungsjahr 2026/2027 Plätze angeboten haben, blieb mindestens einer unbesetzt. Besonders häufig war das im Nahrungsmittel- und im Dienstleistungshandwerk der Fall. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von Handwerk BW unter 2.600 Betrieben im Land.
„Unsere Betriebe wollen ausbilden. Aber zu oft finden Angebot und Nachfrage nicht zusammen“, sagt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. „Jeder unbesetzte Platz fehlt uns später bei der Fachkräftesicherung.“
Bei mehr als der Hälfte der Betriebe mit offenen Plätzen gingen keine Bewerbungen ein, bei rund vier von zehn fehlten geeignete Kandidatinnen und Kandidaten. Lehnten Betriebe selbst Bewerber ab, obwohl noch Stellen zu vergeben waren, lagen die Gründe vor allem in mangelnden Deutschkenntnissen sowie fehlender Leistungsbereitschaft oder Motivation.
„Betriebe können mit Praktika und Vorqualifizierungen einiges auffangen. Sie können aber nicht die Grundlagen nachholen, die für eine Ausbildung nötig sind. Schulen müssen jungen Menschen verlässlich die sprachlichen, mathematischen und sozialen Kompetenzen vermitteln, die sie für den Einstieg ins Berufsleben brauchen“, sagt Reichhold.
Auch wirtschaftliche und demografische Faktoren beeinflussen das Ausbildungsangebot. Von den Betrieben, die weder ausbilden noch Plätze angeboten haben, nennen 14 Prozent wirtschaftliche Unsicherheit als Grund. Rund elf Prozent verweisen auf das Alter des Inhabers oder Ausbilders beziehungsweise eine anstehende Betriebsnachfolge.
Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass unterschiedliche Voraussetzungen einem erfolgreichen Berufsweg nicht entgegenstehen müssen. Geflüchtete und Jugendliche mit besonderem schulischem Förderbedarf haben in den befragten Betrieben erfolgreich Ausbildungen abgeschlossen.
„Wir dürfen Potenziale nicht vorschnell abschreiben. Entscheidend ist, dass junge Menschen und Betriebe zueinanderpassen und Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird“, so Reichhold. Gute Berufsorientierung, Sprachförderung und verlässliche Begleitung während der Ausbildung seien wichtige
Bausteine für die Fachkräftesicherung.
Dass der Personalbedarf auch nach der Ausbildung hoch bleibt, zeigt der aktuelle Fachkräftebedarfsmonitor von Handwerk BW: Rund jede fünfte gemeldete offene Stelle in Baden-Württemberg entfällt auf einen Handwerksberuf.
Bei rund 40 Prozent der Betriebe blieb mindestens ein angebotener Ausbildungsplatz unbesetzt. Besonders häufig war das im Nahrungsmittel- und Dienstleistungshandwerk der Fall.
Quelle: Handwerk BW, Umfrage zur Ausbildungssituation 2026

PM Baden-Württembergischer-Handwerkstag e.V.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/arbeitsmarkt/214922/bei-vier-von-zehn-betrieben-bleibt-mindestens-ein-ausbildungsplatz-offen/