Eine berufliche Weiterbildung eröffnet attraktive Verdienst- und Karriereperspektiven. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), welche die IHKs in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Die wichtigsten Erkenntnisse: Meister, Fachwirte und Techniker verdienen deutlich mehr als Beschäftigte mit Berufsausbildung ohne Weiterbildung. Bei Einkommen, Führungsverantwortung und Beschäftigungssicherheit erreichen beruflich Weitergebildete in vielen Bereichen ein ähnliches Niveau wie Hochschulabsolventinnen und -absolventen.
Wie deutlich sich eine Weiterbildung beim Einkommen bemerkbar macht, zeigen die Zahlen: Beschäftigte mit Weiterbildungsabschluss verdienen im Durchschnitt 4.469 Euro brutto im Monat. Bei Beschäftigten mit Berufsausbildung ohne Weiterbildung sind es 3.182 Euro. Auch beim Stundenlohn zeigt sich der Unterschied: Weitergebildete kommen im Durchschnitt auf 28,66 Euro brutto, Beschäftigte mit Berufsausbildung auf 21,43 Euro. „Eine duale Ausbildung ist häufig erst der Anfang für die berufliche Karriere“, sagt Johannes Schwörer, Präsident der IHK Reutlingen. Die IHK ist im Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) in Weiterbildungsfragen federführend. „Wer nach der Ausbildung einen Meister, Fachwirt oder Techniker macht, kann beruflich weit kommen und gut verdienen. Eine erfolgreiche Karriere ist mit beruflicher Bildung genauso möglich wie mit einem Studium.“ Auch der Vergleich mit akademischen Abschlüssen zeigt die positiven Verdienstmöglichkeiten der Höheren Berufsbildung. Rund 40 Prozent der Weitergebildeten verdienen mehr als der durchschnittliche Fachhochschulabsolvent. Mehr als ein Viertel liegt beim Verdienst über dem Durchschnitt von Universitätsabsolventinnen und -absolventen.
Früher Einstieg zahlt sich aus
Der Vorteil des beruflichen Bildungswegs zeigt sich über einen längeren Zeitraum. Wer mit einer Ausbildung ins Berufsleben startet und anschließend eine Weiterbildung absolviert, verdient früher eigenes Geld als Akademiker. Die kumulierten Erwerbseinkommen von Meister- und Technikerabsolventinnen und -absolventen liegen deshalb im Durchschnitt bis etwa zum 49. Lebensjahr über denen gleichaltriger Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Karriere-Gewinne zeigen sich zudem nicht allein beim Einkommen. Beschäftigte mit Weiterbildungsabschluss übernehmen deutlich häufiger Führungs- und Fachverantwortung als Beschäftigte mit Berufsausbildung ohne Weiterbildung. Auch hier bewegen sie sich auf einem ähnlichen Niveau wie Akademikerinnen und Akademiker.
Weitergebildete Fachkräfte in Baden-Württemberg gesucht
Gleichzeitig fehlen entsprechend qualifizierte Fachkräfte. In Baden-Württemberg konnten 2025 durchschnittlich 1.832 offene Stellen in IHK-Weiterbildungsberufen rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitskräften besetzt werden. 73,5 Prozent dieser Fachkräftelücke entfielen aufs Spezialisten-Niveau. „Die Betriebe brauchen gut qualifizierte Fach- und Führungskräfte“, sagt Schwörer. „Deshalb muss schon in der Berufsorientierung deutlich werden: Nach einer Ausbildung stehen viele Wege offen. Eine berufliche Weiterbildung bietet attraktive Verdienstmöglichkeiten, Aufstiegschancen und den Weg in verantwortungsvolle Positionen.“
Aber: Die Teilnehmerzahlen an beruflichen Weiterbildungen stagnieren seit Jahren. Aus BWIHK-Sicht müssen die Chancen der Höheren Berufsbildung deshalb stärker sichtbar werden. Dazu gehört, junge Menschen frühzeitig über Verdienst- und Karriereperspektiven zu informieren und berufliche und akademische Bildungswege gleichermaßen in den Blick zu nehmen.
Zur Studie:
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat im Auftrag der Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen die Erwerbs-, Verdienst- und Karriereperspektiven beruflich Weitergebildeter untersucht. Auftraggeber und Koordinator für die IHK-Organisation im Südwesten ist die im BWIHK in Weiterbildungsfragen federführende IHK Reutlingen.
Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) ist eine Vereinigung der zwölf baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHKs). In Baden-Württemberg vertreten die zwölf IHKs die Interessen von mehr als 650.000 Mitgliedsunternehmen. Zweck des BWIHK ist es, in allen die baden-württembergische Wirtschaft und die Mitgliedskammern insgesamt betreffenden Belangen gemeinsame Auffassungen zu erzielen und diese gegenüber der Landes-, Bundes- und Europapolitik sowie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und anderen Institutionen zu vertreten.
PM Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag