Maschinen- und Anlagenbau: Betriebsräte fordern Zukunftsdialog unter Führung des Wirtschaftsministeriums

  • Fachkonferenz diskutiert Herausforderungen der Branche
  • Innovationsschwäche und Geopolitik verschärfen Krise
  • Jürgen Kerner: „Kriege, Zölle, subventionierte Dumpingpreise – kein Unternehmen kann diese Herausforderungen allein bewältigen. Wir brauchen eine industriepolitische Strategie.“

 

Seit 2024 hat der Maschinen- und Anlagenbau fast 60.000 Arbeitsplätze verloren. Auf der einen Seite setzen weltpolitische Entwicklungen der Branche zu. Auf der anderen fehlen den Unternehmen Strategien und Innovationen. Diese Herausforderungen diskutieren die Betriebsrätinnen und Betriebsräte auf einer Fachkonferenz in Berlin und fordern vom Bundeswirtschaftsministerium mehr Initiative und Verantwortung für die Zukunft der Branche. Konkret verlangen sie die Einrichtung eines dauerhaften Zukunftsdialogs unter Leitung des Ministeriums. In diesem Rahmen sollen Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik gemeinsam Strategien entwickeln, um Innovationen, gute und sichere Arbeit sowie eine nachhaltige Standortentwicklung zu stärken. Eine entsprechende Forderung übergaben die Belegschaftsvertreter heute mit 200 Unterschriften im Rahmen der Maschinenbaukonferenz an eine Vertreterin des Ministeriums.

Der Maschinen- und Anlagenbau mit seinen rund eine Million Beschäftigten steht erheblich unter Druck. „Es läuft einfach nicht mehr wie früher. Aus Erfindergeist entstehen nicht wie von selbst Hidden Champions der Weltwirtschaft. Dazu kommen geopolitische Spannungen, willkürliche Zollschranken und unfairer Wettbewerb durch staatlich subventionierte Dumpingpreise“, sagt der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner und warnt: „Kein Unternehmen kann diese Herausforderungen allein bewältigen. Wir brauchen jetzt eine industriepolitische Strategie für den Maschinen- und Anlagenbau. Wir müssen vor allem über ein Innovationsökosystem aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen sprechen, die sich gegenseitig befruchten. Das Bundeswirtschaftsministerium muss hierbei eine aktive Führungsrolle übernehmen.“

Im Mittelpunkt des von der IG Metall geforderten Zukunftsdialogs sollen insbesondere vier Handlungsfelder stehen:

  • Stärkung der deutschen und europäischen Wertschöpfungsketten sowie Sicherung guter Beschäftigung
  • Ausbau der Innovationskraft durch höhere Investitionen in Forschung, Entwicklung und Digitalisierung
  • Erschließung neuer Absatzmärkte sowie Umsetzung, Abschluss und Weiterentwicklung fairer und nachhaltiger Handelsabkommen
  • Nachhaltige Gestaltung des industriellen Wandels und Sicherung guter Beschäftigung

In den vergangenen Monaten haben sich Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus der gesamten Branche diesen Forderungen angeschlossen. Die zwischenzeitlich von der Bundesregierung angestoßenen Branchendialoge bewerten sie als unzureichend. Sie fordern einen dauerhaften und institutionalisierten Dialogprozess für den Maschinen- und Anlagenbau unter gleichberechtigter Beteiligung der Beschäftigtenvertretungen.

Auf der Maschinenbaukonferenz, die am 7. und 8. Oktober in Berlin stattfindet, beraten rund 200 Betriebsrätinnen und Betriebsräte gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Industrie, Wissenschaft und Politik über die Zukunft der Branche. Im Mittelpunkt stehen dabei diese Fragen: Wie kann der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland langfristig wettbewerbsfähig bleiben? Wie lassen sich Beschäftigung, Standorte und gute Arbeit im industriellen Wandel sichern? Welche industriepolitischen Weichenstellungen sind jetzt erforderlich, um die Zukunft der Beschäftigten zu sichern?

Die Maschinenbaukonferenz für Betriebsräte findet alle zwei Jahre statt. Veranstalter sind die Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit der IG Metall.

PM IG Metall

 

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/arbeitsmarkt/213937/maschinen-und-anlagenbau-betriebsraete-fordern-zukunftsdialog-unter-fuehrung-des-wirtschaftsministeriums/