Zu viel Geld, zu wenig Gerechtigkeit – Chancengleichheit braucht Personal

„Die OECD-Zahlen bestätigen, was wir seit Jahren erleben: Wir investieren viel, aber nicht gezielt genug dort, wo es für Chancengerechtigkeit entscheidend ist. Jeder siebte junge Erwachsene konnte keinen mittleren Bildungsabschluss erwerben. Das ist ein Alarmsignal für unser Bildungssystem. Die Ergebnisse liefern eine sehr solide Grundlage, um zu sagen: Wir wissen seit Jahren, wo die Probleme liegen. Jetzt braucht es nicht nur neue Programme, sondern vor allem mehr Personal, insbesondere dort, wo der Bedarf am höchsten ist, kleinere Klassen sowie Zeit und Ressourcen für eine gezielte Förderung, damit Herkunft weniger über Bildungschancen entscheidet“, sagt Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), anlässlich des heute von der OECD veröffentlichten Berichts „Bildung auf einen Blick 2026“.

Dieser zeigt: Deutschland gibt im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viel für Bildung aus, bleibt aber bei zentralen Chancengerechtigkeits-Indikatoren hinter vielen Partnerländern zurück. Knapp 14 Prozent der 25- bis 34-Jährigen verfügen über keinen Abschluss der Sekundarstufe II. Im OECD-Durchschnitt ist dieser Anteil in den vergangenen zehn Jahren um fünf Prozentpunkte auf 12 Prozent gesunken, in Deutschland ist er hingegen leicht gestiegen. Auch bei den Übergängen in Ausbildung und Beschäftigung wird die soziale Spaltung sichtbar: 11 Prozent der 18- bis 24-Jährigen waren 2025 weder beschäftigt noch in Bildung oder Ausbildung (NEET-Quote). Dieser Wert liegt zwar unter dem OECD-Durchschnitt von 13 Prozent, ist in Deutschland seit 2015 aber um zwei Prozentpunkte gestiegen.

„Wer Chancengerechtigkeit will, muss genau diese Gruppen gezielt in den Blick nehmen – mit zusätzlichem Personal, Zeit und spezifischen Unterstützungsangeboten“, fordert Neckov. „Der Staat investiert später hohe Summen in Nachhilfe, Fördermaßnahmen und soziale Folgen. Es ist volkswirtschaftlich wie pädagogisch sinnvoller, früh zu investieren – mit ausreichend Personal und qualitativ hochwertigen Angeboten in Kita und Schule.“

Personalmangel bleibt die größte Herausforderung

Die Deutschland-Befunde des OECD-Berichts zeigen ein deutliches Bild: 55 Prozent der 15-Jährigen besuchen Schulen, deren Leitung angibt, dass die Abwesenheit von Lehrkräften das Lernen beeinträchtigt – das ist der zweithöchste Wert im OECD-Raum und mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt von 27 Prozent.

„Vor diesem Hintergrund wäre es fahrlässig, jetzt Stellen abzubauen, nur weil sich in einigen Regionen erste Entlastungen zeigen. Der bevorstehende demografische Rückgang muss genutzt werden, um die Unterrichtsversorgung qualitativ zu verbessern – mit kleineren Klassen, mehr Zeit für individuelle Förderung und einer nachhaltigen Arbeitsorganisation an Schulen. Genau jetzt ist die Zeit gekommen, um wieder angemessene Gelingensbedingungen für Lehren und Lernen herzustellen“, betont der VBE-Chef.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vertritt als parteipolitisch unabhängige Bildungsgewerkschaft die Interessen von ca. 164.000 Pädagoginnen und Pädagogen – aus dem frühkindlichen Bereich, der Primarstufe, den Sekundarstufen I und II und dem Bereich der Lehrkräftebildung – in allen Bundesländern. Der VBE ist eine der beiden großen Bildungsgewerkschaften in Deutschland und mitgliederstärkste Fachgewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion.

 

PM VBE Verband Bildung und Erziehung

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