Vogelzug über Baden-Württemberg: Von spektakulär bis heimlich Viele Greifvögel bleiben ganzjährig / Birdwatch am 3./4.10. bietet Termine zur Vogelbeobachtung

Über Baden-Württemberg gleiten, flattern und fliegen jedes Jahr Millionen heimische Brutvögel, Durchzügler und Wintergäste. Besonders während des Vogelzugs im Herbst lassen sich spektakuläre Einflüge beobachten. Je nach Wetter und Bruterfolg sind viele skandinavische Arten, wie Erlen- und Birkenzeisig, zu sehen, die im Südwesten überwintern. Die Vögel verlassen ihre Brutgebiete, um dort zu bleiben, wo sie bis zum Frühling ausreichend Nahrung finden.

„In großen Feuchtgebieten wie dem Bodensee, dem Federseemoor oder der Wiesenlandschaft der Saalbachniederung finden viele Vogelarten wichtige Rastplätze und können dort Energie für ihren Weiterflug sammeln. Der Schutz und Erhalt dieser Feuchtgebiete wird angesichts der Klimakrise immer wichtiger, denn in heißen und trockenen Sommern trocknen kleinere Feuchtflächen schneller aus. Damit gehen wichtige Rastplätze verloren, die beispielsweise Wasservögel für eine Pause und zur Nahrungssuche benötigen“, betont Katrin Fritzsch, Leiterin des NABU-Naturschutzzentrums Federsee.

Am ersten Oktober-Wochenende schafft „Birdwatch“ wieder einen europaweiten Rahmen für die Vogelbeobachtung. Viele NABU-Gruppen und die NABU-Zentren bieten dazu Veranstaltungen an.

Wespenbussarde und Rotmilane fliegen tagsüber

Viele heimische Greifvögel lassen sich auch jetzt im Herbst beobachten, da sie als Standvögel ganzjährig in ihrem Brutgebiet bleiben. Eine neue Übersicht des NABU zeigt, welche Greifvögel im Südwesten zuhause sind und wie man sie unterscheidet. An klaren Tagen sind etwa Mäusebussarde am Himmel zu sehen, die zum Teil im Südwesten überwintern und über Felder, Wiesen oder sogar in Städten nach Beute jagen. Wespenbussarde brüten nur vereinzelt im Ländle und nutzen Baden-Württemberg meist als Transitland. Sie machen sich die Thermik zunutze, um aufzusteigen und dann in großen Höhen zu ziehen, ebenso wie die imposanten Rotmilane. Beide Arten sind tagsüber zu beobachten. Mit bloßem Auge lassen sich auch die großen Kraniche erkennen, während andere Arten dazu schlicht zu klein sind und man sie unterwegs teils hoch oben nur als kleinen Punkt wahrnimmt. Viele kleinere Singvögel ziehen nur nachts.

Stare lieben Schilf

Spektakulär sind jedes Jahr die Flugmanöver der Stare. Um Greifvögel zu irritieren, wechseln sie blitzschnell die Richtung und fliegen minutenlang in wolkigen Formationen durch die Luft, bevor sie sich zwitschernd an verschiedenen Schlafplätzen etwa im Schilf des Wollmatinger Rieds, des Federsees oder kleinerer Schilfgebiete niederlassen. Vom Frühsommer bis zum Oktober wachsen die Schwärme an, bis sie gemeinsam nach Süd- und Westeuropa abfliegen. Kraniche sammeln sich derzeit in Norddeutschland und Osteuropa – sie überfliegen in den kommenden Wochen vereinzelt auch den Südwesten. Typisch sind ihre Rufe und die Keilformation beim Flug. Der seltene Mornellregenpfeifer rastet im September auf seinem Weg vom hohen Norden nach Nordafrika bei uns. Man kann ihn besonders gut auf offenen Ackerflächen beobachten. Viele Zugvögel stärken sich auf abgeernteten Feldern und Brachflächen, an Feldhecken, Beerensträuchern in vogelfreundlichen Gärten oder auf naturnahen Gewässern. Es lohnt sich also, nach gefiederten Gästen im Südwesten Ausschau zu halten.

Hilfe für die Vogelwelt

Abgeflogen sind größtenteils Mauersegler, Schwalben und Störche – das zeigen Zugdaten besenderter Tiere. Die Nester gilt es bis zur Rückkehr im Frühling zu schützen, da diese jedes Jahr aufs Neue für die Brut angenommen werden. „Der Vogelzug begeistert uns immer wieder. Es ist beeindruckend, wie winzige Vögel tausende Kilometer fliegen und im Frühjahr zielstrebig zu ihrem Nest zurückkehren. Viele Arten lassen sich nur wirkungsvoll über Landesgrenzen hinweg schützen. Eine Schwalbe fliegt bis nach Afrika, um dort zu überwintern, und kehrt dann den weiten Weg zu uns zurück, um hier ihre Jungen aufzuziehen. Sie sollte alle Hilfe erhalten, die sie braucht!“, sagt NABU-Ornithologe Stefan Bosch. Er ruft dazu auf, die Zeit bis zur Brutsaison 2027 zu nutzen, um Grünflächen und Gärten insekten- und vogelfreundlich anzulegen, Schottergärten rückzubauen und mehr Brutplätze für Gebäudebrüter wie Mehlschwalben zu schaffen.

Hintergrund:

  • Birdwatch ist eine gemeinsame Aktion der Partner im Netzwerk BirdLife International und findet am Wochenende 3./4. Oktober 2026 bereits zum 33. Mal statt.
  • Die NABU-Aktion Schwalbenfreundliches Haus lädt dazu ein, Schwalben zu unterstützen
  • Mit dem „Quartiershäuser“-Wettbewerb hilft der NABU im Projekt Mensch.Natur den Kommunen im Land, sich für Artenschutz an Gebäuden einzusetzen.

 

Foto (© NABU/CEWE/Brigitte Döhler) Star im Beerenstrauch,

 

PM NABU (Naturschutzbund Deutschland),Landesverband Baden-Württemberg e. V.

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