Kaum heult irgendwo ein Motorrad auf, kocht bei manchen schon das Blut. Der Motor läuft – und die Empörung gleich mit. Doch während sich viele über „zu laute Biker“ aufregen, geraten die echten Skandale aus dem Blick: Im Rems‑Murr‑Kreis wurden Todesdrohungen auf den Asphalt geschmiert, im Walkersbacher Tal sogar mehrfach Altöl in Kurven verteilt – gezielt, gefährlich, lebensbedrohlich. Das ist kein Protest, das ist ein Angriff auf Menschenleben.
Trotzdem hält sich ein hartnäckiges Bild: angeblich würden jedes Wochenende ganze Horden rücksichtsloser Krawallfahrer die Landstraßen übernehmen. Die Realität sieht anders aus. Es sind wenige übermotivierte Selbstdarsteller, die mit Lärm und Ego den Ruf einer ganzen Gemeinschaft ruinieren. Die große Mehrheit fährt rücksichtsvoll, regelkonform und fällt kaum auf – genau deshalb wird sie oft übersehen.
Ich selbst fahre seit Jahrzehnten Motorrad. Chaoten? Selten. Die meisten grüßen freundlich, fahren mit Augenmaß und wissen, dass Rücksicht die Grundlage dafür ist, dieses Hobby überhaupt ausüben zu können.
Und die Politik? Reagiert mit dem immergleichen Reflex: mehr Verbote, mehr Sperrungen, mehr Schilder. Das klingt entschlossen, ist aber oft reine Symbolpolitik. Wer bewusst gegen Regeln verstößt, lässt sich von einem neuen Schild kaum beeindrucken.
Ja, es gibt ein Lärmproblem. Ja, es nervt. Aber aus dem Fehlverhalten weniger eine ganze Gruppe unter Generalverdacht zu stellen, ist unfair – und führt zu keiner Lösung.
Fazit: Wer Öl in Kurven kippt, spielt nicht den Helden, sondern den Henker. Wer Todesdrohungen auf Straßen malt, sucht keinen Dialog, sondern die Eskalation. Und wer alle Motorradfahrer über einen Kamm schert, macht es sich zu einfach.
Für die neue Saison gilt: Respekt auf der Straße – für alle.
Alfred Brandner