5. Städtepartnerschaftskongress: Wie Kommunen diplomatische Gestaltungsspielräume nutzen können

Auf Einladung von Staatssekretär Florian Haßler haben sich am heutigen Donnerstag (24. September 2026) rund 190 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Baden-Württemberg und Frankreich in der Kongresshalle Böblingen zum 5. Städtepartnerschaftskongress getroffen. Unter dem Motto „Voneinander lernen, miteinander wachsen: Bilanz, Praxis und Perspektiven“ stand dabei insbesondere das Thema „Urban Diplomacy“ im Fokus, also die internationale Zusammenarbeit von Städten und Kommunen über Staatsgrenzen hinweg. „Europa kann es sich nicht leisten, schwach, zerstritten oder gleichgültig zu sein. Wenn wir unsere Interessen und unsere Werte behaupten wollen, müssen wir Europäer enger zusammenstehen. Denn dieses Europa entsteht nicht alleine in Brüssel, Paris oder Berlin – Europa entsteht vor Ort. Genau deshalb sind Städtepartnerschaften wichtiger denn je“, betonte Staatssekretär Haßler, der den Kongress im Namen der Landesregierung eröffnete.

Ein gelungenes Beispiel für solch einen verbindenden Ort ist die Stadt Böblingen selbst: Sie unterhält bereits seit 1956 eine der ältesten deutsch-französischen Städtepartnerschaften mit Pontoise bei Paris und war gemeinsam mit einigen anderen Städten ein Wegbereiter der europäischen Einigung. Die große Resonanz an dem Kongress und die Bereitschaft, sehr weite Wege dafür auf sich zu nehmen, zeige: „Die deutsch-französische Freundschaft lebt – und sie lebt vor allem durch Menschen, die bereit sind Zeit, Ideen und Energie in sie zu investieren“, so Haßler. Zwischen Baden-Württemberg und Frankreich bestehen mittlerweile über 500 kommunale Partnerschaften. „Damit sind wir bundesweit Spitzenreiter und ein Vorbild für viele Regionen in ganz Europa“, betonte Haßler.

Zum Auftakt des Kongresses referierte Anna Noddeland, Geschäftsführerin des Instituts für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit (IPZ), über das Konzept der Urban Diplomacy. Der vergleichsweise neue Ansatz beschreibt, wie Kommunen über die klassischen diplomatischen Beziehungen zwischen Staaten hinaus eigene Gestaltungsspielräume nutzen können, etwa bei Themen wie Umweltschutz, Mobilität oder der Friedensstiftung. „Kommunen warten nicht darauf, dass irgendwo anders Lösungen entwickelt werden. Sie suchen Partner, tauschen Erfahrungen aus und handeln gemeinsam. Und manchmal entsteht aus einer kleinen Idee in einer Partnerstadt ein Projekt, das später viele andere Kommunen übernehmen – und warum nicht auch in Polen, Italien oder Spanien?“, so Haßler: „Städtepartnerschaften können damit weit mehr sein als ein Symbol der Freundschaft. Sie können zu einem echten europäischen Innovationsnetzwerk werden.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion debattierte Staatssekretär Haßler gemeinsam mit Brigitte Torloting (Vize-Präsidentin der Region Grand Est), Tobias Heizmann (Erster Bürgermeister der Stadt Böblingen), Verena Denry (Honorarkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Nancy) sowie Nicola Bodner (Bürgermeisterin Pfinztal) und Christian Eiberger (Bürgermeiste Asperg) über die Möglichkeiten von Städtepartnerschaften als modernes Weiterentwicklungsinstrument auf lokaler, regionaler und europäischer Ebene. Im Fokus stand dabei unter anderem die Frage, welche Lehren aus langjährigen, erfolgreichen Projekten gezogen werden können und mit welchen Herausforderungen in der Zusammenarbeit künftig zu rechnen ist.  Eine Rolle spielten zudem innovative Ansätze in Umweltschutz, Stadtplanung und anderen Themenbereichen, mit denen sich Städtepartnerschaften zunehmend beschäftigen.

Beim zweiten Teil des Städtepartnerschaftskongresses am Nachmittag wurden in zwei Workshops die Themen „Städtepartnerschaften und Demokratie“ sowie „(Jugend-)Begegnungen innerhalb einer Städtepartnerschaft – konkrete Umsetzung“ erörtert. Parallel dazu bot sich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei einem „Markt der Möglichkeiten“ mit rund 15 Ausstellenden sowie in individuellen Beratungsgesprächen mit ausgewählten Expertinnen und Experten die Gelegenheit, sich direkt mit den Verantwortlichen über verschiedene Projekte und den damit gemachten Erfahrungen auszutauschen.

Hintergrundinformation

Der Städtepartnerschaftskongress geht auf die Frankreich-Strategie Baden-Württembergs zurück, die das Land ab 2017 gemeinsam mit rund 600 Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im deutsch-französischen Grenzraum entwickelt hat. Sie wird seither unter der Dachmarke „Vive la Wir“ umgesetzt. Zu den zentralen Instrumenten gehört neben dem Kongress insbesondere der Mikroprojektefonds: Seit 2020 wurden darüber knapp 180 niederschwellige deutsch-französische Begegnungsprojekte gefördert – von Chorprojekten über Tanzworkshops bis zu gemeinsamen Radtouren. Gemeinsam mit der Region Grand Est betreibt Baden-Württemberg zudem das deutsch-französische Bürgerportal FRED.info, über das Menschen, Ideen und Ansprechpartner zusammengebracht werden sollen. Weiterführende Informationen zur Partnerschafts-Konzeption „Vive la Wir“ finden Sie hier

 

PM Staatsministerium Baden-Württemberg

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