Datum/Zeit
Date(s) - 16/01/2026
17:30 - 20:30
Veranstaltungsort
Göppingen - Museum "Storchen"
Kategorien
Als Rahmenprogramm zur aktuellen Weihnachtsausstellung mit Holzspielzeug aus dem Erzgebirge gibt es zwei besondere Veranstaltungen am Freitag, 16. Januar.
Um 17:30 Uhr führt Leihgeber Mathias Zahn in Gestalt eines Sammlergesprächs durch die Sonderausstellung „Spielzeug gestalten – Holz formen“. Um 19 Uhr hält der Kunsthistoriker, Restaurator und Fachbuchautor Dr. Urs Latus einen Fachvortrag zu „300 Jahre Holzspielzeug aus dem Erzgebirge – eine Wirtschaftsgeschichte anhand von Objekten“. Beide Veranstaltungen im Museum im Storchen sind kostenlos.
Hintergrund:
Das Erzgebirge als Herstellungslandschaft von Spielwaren und kunsthandwerklichen Erzeugnissen gilt heute als eine der letzten aktiven Regionen dieser Art in Europa. Betrachtet man die hohe Konzentration und Anzahl kreativer Köpfe, die unmittelbar im Handwerk tätigen und der am Vertrieb beteiligten Menschen, so verfügt die Gegend über ein bedeutendes kulturelles und wirtschaftliches Alleinstellungsmerkmal.
Die Bewahrung und praktische Ausübung einer über 300-jährigen Tradition – insbesondere das Arbeiten an der Drechselbank – ist in dieser spezifischen Form gegenwärtig einzigartig. Nur hier hat sich bis heute ein arbeitsteiliges, besonders charakteristisches Holz- und Spielwarengewerbe als Lebensgrundlage tausender Menschen erhalten. Produziert wird überwiegend in von Familien geführten Handwerksbetrieben. Das Gewerbe wird seit Jahrhunderten in der Regel von einer auf die andere Generation weitergegeben.
Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge ist international bekannt und als geschützte Marke anerkannt. Es wirkt in hohem Maße identitätsstiftend und ist im Brauchtum fest verankert. Darüber hinaus funktionieren einzelne figürliche Erzeugnisse – beispielsweise die Figur des Nussknackers, Weihnachtspyramiden oder Weihnachtsengel – schon weit über 100 Jahre lang als sympathische europäische Kulturbotschafter.
Die Herausbildung und Weiterentwicklung besonderer Kunsttechnologien – das Drechseln bzw. das Reifendrehen, das Schnitzen und eine Vielfalt farbiger Oberflächenveredlungen – ermöglichen es, eine breit gefächerte und äußerst charakteristische Produktpalette wirtschaftlich erfolgreich anzubieten. Vielfältige Mechanismen staatlicher Wirtschafts- und Gewerbeförderung wirkten mit Blick in die lange Geschichte des historischen Spiel- und Holzwarengewerbes im Erzgebirge über alle politischen Systeme hinweg kontinuierlich und nachhaltig belebend.
Foto (Dr. Urs Latus): Schachtelware Musterblatt, Erzgebirge um 1880