Lautlos in der Nacht: Neun Tiere aus Baden-Württemberg mit Gänsehautfaktor – NABU stellt zu Halloween faszinierende Arten und ihre Mythen vor

In der Nacht auf Allerheiligen klingeln vielerorts wieder kleine menschliche Geister, Feen und Vampire an Türen und verlangen: „Süßes oder Saures!“ Nicht nur an der Haustüre, auch in der Natur begegnen uns nachts Arten mit Gruselfaktor, um die sich viele Geschichten ranken. Nicht alle sind gerade zu erleben, etwa weil sie in Winterstarre sind oder als Wanderfalter oder Zugvogel im Frühjahr erst einfliegen. Doch wie gerechtfertigt sind die schaurigen Vorurteile und wer versteckt sich im tierischen Gruselkabinett? „Wir Menschen sehen nachts eher schlecht und erschrecken daher, wenn sich plötzlich etwas im Unterholz oder in der Luft bewegt. Manche Reaktionen sind auch angeboren oder unbewusst antrainiert – etwa Angst und Ekel vor Spinnen und Schlangen“, sagt NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes. Mythen, Sagen und Geschichten tragen dazu bei, dass manche Tiere einen schlechten Ruf haben.

Der NABU stellt neun faszinierende Tiere aus Baden-Württemberg vor und erklärt, was dran ist, an den Vorurteilen.

Feuersalamander (Salamandra salamandra): Warnfarbe trifft Mythos

Schwarz-gelb wie eine Halloween-Deko: Der Feuersalamander verdankt seinen Namen einem mittelalterlichen Mythos: Man glaubte, das Tier könne Brände löschen – und warf es in die Flammen. In Baden-Württemberg lebt das nachtaktive Amphibium in feuchten, strukturreichen Wäldern und nah an Bächen. Der kleine Lurch schützt sich vor Fressfeinden durch ein giftiges Hautsekret. Jetzt im Herbst versteckt er sich an frostgeschützten, feuchten und kühlen Plätzen in der Natur und verharrt dort in Winterstarre.

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula): Lautloser Jäger der Nacht

Fledermäuse sorgen als lautlose nächtliche Jäger immer noch für Gänsehautmomente. Der Große Abendsegler fängt Insekten im Flug und orientiert sich dabei mithilfe von Echoortung. Er trinkt weder Blut noch ist er für Menschen gefährlich; auch die Verwandlung Graf Draculas in eine Fledermaus bleibt eine schön gruselige Geschichte. Wer die größte heimische Fledermausart Baden-Württembergs beobachten möchte, hat in altholzreichen Parks und Wäldern mit Baumhöhlen die besten Chancen. Viele dieser faszinierenden Arten brauchen Hilfe: Alte Bäume mit Höhlen, stehendes und liegendes Totholz, ungestörte Waldränder, Steinhaufen und feuchte Wälder sind für Fledermäuse, Eulen, Reptilien und viele Insekten lebenswichtige Rückzugsräume. Wer solche Strukturen in Garten, Park und Wald erhält, schützt nicht nur einzelne Tiere, sondern eine ganze Artgemeinschaft.

Gemeiner Totengräber (Nicrophorus vespillo): Recycler in Schwarz-Orange

Dieser kleine Käfer mit schwarz-orangefarbenen Flügeln passt farblich perfekt zu Halloween. Sein Name spiegelt sein Jobprofil wider: Der Gemeine Totengräber ist ein Recyclingexperte der Natur. Er nutzt kleine Tierkadaver als Nahrung für seine Larven. Das Weibchen formt aus Teilen des Kadavers eine Kugel, vergräbt diese und baut darum eine Brutkammer für ihre Eier.

Höllenotter (Vipera berus): Scheue Schönheit mit dunklem Muster

Schwarz wie die Nacht: Im Volksmund wird eine besonders dunkel gefärbte Kreuzotter als Höllenotter bezeichnet. In Baden-Württemberg ist diese scheue Giftschlange vor allem in kühleren Höhenlagen des Schwarzwalds, der Schwäbischen Alb und Oberschwabens zu finden. Für ihren Schutz braucht sie ungestörte Orte mit sonnigen Steinhaufen, Böschungen und Totholz, möglichst in der Nähe von Zwergsträuchern, wie Heidelbeere oder Erika, auf denen sie sich aufwärmen kann.

Kleines Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia): Vier Augen in der Dunkelheit

Vier große Augen auf den Flügeln: Das Kleine Nachtpfauenauge wirkt in der Dämmerung fast wie ein geheimnisvoller Wächter. Die auffälligen Augenflecken des Nachtfalters sollen Feinde abschrecken. Während die Männchen auch tagsüber auf der Suche nach Weibchen fliegen, sind letztere oft erst abends aktiv. In Baden-Württemberg lebt die Art bevorzugt in sonnigen, heckenreichen Wiesen und an Waldrändern. Bis März überwintern die Puppen des Falters in einem Kokon an niedrigen Pflanzen.

Neuntöter (Lanius collurio): Singvogel mit gruseligem Namen

Der im Südwesten heimische Neuntöter ist ein Heckenbrüter, der einen Teil seiner Beute, wie Käfer, Heuschrecken, Grillen, kleine Vögel oder Mäuse, auf Dornen oder spitze Zweige aufspießt. So legt er Nahrungsvorräte an. Die Männchen sind an ihrer schwarzen Augenbinde, dem grauen Kopf und den rostroten Flügeln erkennbar und können ausdauernd und melodiös singen. Aktuell hält sich der Zugvogel in seinem afrikanischen Winterquartier auf und kehrt im Frühjahr in den Südwesten zurück. Dort brütet er in dichten Dornensträuchern auf mageren Wiesen, die jedoch seltener werden.

Nosferatuspinne (Zoropsis spinimana): Nächtliche Lauerjägerin

Groß und agil: Diese eingeschleppte Spinnenart fällt auf, weil sie kein Netz baut, sondern sich nachts gut sichtbar auf die Lauer legt. Sie ist ganzjährig aktiv. Ihren Namen verdankt sie der Rückenzeichnung, die an die blutsaugende Filmfigur „Nosferatu“ erinnert. Mit ihren kräftigen Beißwerkzeugen kann die Nosferatuspinne bei Bedrohung die menschliche Haut durchdringen. Ihr Biss kann schmerzhaft sein, die Wirkung ähnelt einem Wespenstich. Wer eine ungebetene Spinne in der Wohnung entdeckt, sollte sie mit einem Glas und einem Stück Papier einfangen und an die Luft setzen. Jedoch halten Spinnen in der Wohnung Hausinsekten, wie Stechmücken, Stubenfliegen oder Motten, in Schach.

Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos): Nachtfalter mit Dufttarnung

Dieser große Nachtfalter ist ein echter Hingucker: Der wärmeliebende Wanderfalter fliegt im Frühjahr aus dem Süden (Afrika und Europa) auch nach Baden-Württemberg ein, wo er als Raupe vor allem auf Kartoffeläckern zu finden ist. Er hat einen dunkel marmorierten, pelzigen Körper und eine totenkopfähnliche Zeichnung auf dem Rücken. Seine großen Raupen sind gelb, grün oder braun gefärbt. Totenkopfschwärmer sind Schleckermäuler: Sie saugen Honig aus Waben. Damit sie dabei nicht gestochen werden, tarnen sie sich optisch und mit einer Art Bienenparfum.

Waldkauz (Strix aluco): Rufer aus dunklen Wäldern

Kein Horrorfilm ohne Waldkauz: Sein gruselfilmreifer „Huu-huu“-Ruf trägt weit und ist besonders in windstillen Nächten zu hören. Doch den hervorragend getarnten Rufer mit den großen Kulleraugen im hellen Gesicht sieht man selten, obwohl er das ganze Jahr bei uns im Südwesten lebt. Sein dichtes, lockeres Gefieder lässt ihn lautlos durch die Luft gleiten. Die scheue Eule nutzt Bruthöhlen in alten Bäumen und jagt nachts Mäuse und kleine Vögel. Weil sie, wie alle Eulen, 14 Halswirbel besitzt, kann sie ihren Kopf um 270 Grad drehen.

Foto (NABU_naturgucker_Oskar Jungklaus): Totenkopfschwärmer auf Borke

 

PM NABU Baden-Württemberg

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