Anlässlich des Besuchs von Mitgliedern des Europäischen Parlaments (MdEP) an den Amazon-Standorten in Dortmund und Mönchengladbach am Montag (26. Oktober 2026) kritisiert die Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), dass Ansiedlungen von Amazon zumeist ohne Vorbehalte begrüßt würden, ohne die Folgen in den Blick zu nehmen.
Anstatt Genehmigungen an Bedingungen zugunsten der Beschäftigten zu knüpfen, werde nur auf Gewerbesteuereinnahmen geblickt. „Wenn Amazon im nächsten Jahr plant, 16 Mrd. Euro in Deutschland zu investieren, klingt das für Gemeinden wie eine frohe Botschaft. Mit Amazon hält aber auch eine neue ‚Arbeits-Un-Kultur‘ Einzug. Deswegen ist es wichtig, die Rechte der Beschäftigten im Blick zu behalten und sie vor der Profitgier der Tech-Oligarchen zu schützen. Der europäische Gesetzgeber muss die psychische und physische Gesundheit der Menschen vor dem permanenten Zugriff der digitalen Datenkraken schützen“, betont ver.di-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer. ver.di kritisiert seit mehr als einem Jahrzehnt, dass Amazons Hard- wie Software in den Warenlägern zur Überwachung missbraucht wird und zu steigendem Leistungsdruck sowie willkürlichen Sanktionen gegen Beschäftigte führt.
Die Delegation der MdEPs wird Amazon-Beschäftigte, Betriebsräte und Vertrauensleute der ver.di treffen, um aus erster Hand zu erfahren, wie sich Amazons Einsatz von technologischen Hilfsmitteln wie Kameras und algorithmisches Management auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirkt. Die Erkenntnisse werden in den laufenden EU-Gesetzgebungsprozess zum „Quality Jobs Act“, der unter anderem algorithmisches Management und Gesundheit am Arbeitsplatz behandelt, einfließen.
Amazon geriet während der Covid-19-Pandemie erstmals wegen unsicherer Arbeitsbedingungen in seinen Warenlagern, darunter ein Mangel an Schutzausrüstung, ins Visier des Parlaments. Nachdem sich das Unternehmen geweigert hatte, an Anhörungen des Beschäftigungsausschusses des EU-Parlaments teilzunehmen, wurden den Amazon-Lobbyisten nach einer Kampagne der Gewerkschaften im Februar 2024 ihre Zugangsausweise entzogen. Es war erst das zweite Mal, dass Lobbyisten eines Unternehmens der Zutritt zum Europäischen Parlament verwehrt wurde.
Zur Delegation der kommenden Woche gehören die Vorsitzende des Beschäftigungsausschusses des EU-Parlaments, Li Andersson (Finnland, Die Linke) sowie die Ausschussmitglieder Liesbet Sommen (Belgien, EVP), Estelle Ceulemans (Belgien, S&D), Kim van Sparrentak (Niederlande, Grüne), Branislav Ondruš (Slowakei, NI), Leila Chaibi (Frankreich, Die Linke) sowie Gaby Bischoff (Deutschland, S&D).
Die parlamentarische Mission findet einen Monat vor einem weltweiten Aktionstag statt, den Gewerkschaften, zivilgesellschaftliche und Umweltorganisationen am „Black Friday“, dem 27. November, in über 20 Ländern veranstalten. An der Kampagne unter dem Motto „Make Amazon Pay“, wird sich ver.di auch in diesem Jahr mit der Forderung nach der Anerkennung des Flächentarifvertrags Einzel- und Versandhandel sowie eines Tarifvertrags zu guter und gesunder Arbeit beteiligen.
Weitere Informationen unter
https://www.uni-europa.org/news/victory-amazon-lobbyists-banned-from-european-parliament/