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Trotz weniger Zuversicht: von Krise keine Spur – Unsicherheitsfaktoren: Fachkräftemangel, Brexit und Fahrverbote

„Die Geschäfte in der regionalen Wirtschaft laufen weiter ausgezeichnet. Nur beim Blick nach vorne ist die Zuversicht etwas getrübter als zuvor“, fasst Marjoke Breuning, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage zusammen. Daran haben zum Jahresbeginn 2019 mehr als 800 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen im Großraum Stuttgart teilgenommen. Aktuell melden 59 Prozent gute Geschäfte, der zweibeste je in Konjunkturumfragen gemeldete Wert (Herbst 2018: 57 Prozent). Eine befriedigende Lage melden 36 Prozent (37 Prozent), schlecht geht es wie zuvor knapp 6 Prozent der Unternehmen. Vor allem der Fachkräftemangel und die Unsicherheiten auf den Weltmärkten hemmen die weitere Expansion der regionalen Wirtschaft.

Sowohl die Nachfrage als auch die Umsätze der Betriebe nehmen weiterhin zu, die Zuwachsraten haben sich aber nach dem Herbst erneut abgedämpft. Der Anteil der Unternehmen, die steigende Auftragseingänge melden, ist auf 29 Prozent zurückgegangen (Herbst: 31 Prozent). Die Zahl der Betriebe mit konstanter Nachfrage hat um einen Prozentpunkt auf
55 Prozent zugenommen, der Anteil der Unternehmen mit abnehmenden Auftragseingängen stieg von 15 auf
17 Prozent. Die regionale Wirtschaft hat ihre Erwartungen an die kommenden zwölf Monate folglich nochmals etwas reduziert. Der Anteil der Optimisten ist von 27 auf 29 Prozent gestiegen, aber statt zuvor 10 Prozent der Betriebe erwarten nun 14 Prozent schlechtere Geschäfte. Die meisten Unternehmen (58 Prozent, Herbst 2018: 63 Prozent) rechnen damit, ihre Geschäfte auf dem bisherigen Niveau zu halten.

Top-Risiko für die Wirtschaft bleibt der Fachkräftemangel, den 63 Prozent der Betriebe fürchten. Ihre Beschäftigungspläne kollidieren immer häufiger mit dem Personalangebot:
Fast 9 von 10 Betrieben wollen ihre Belegschaft vergrößern oder deren Größe konstant halten (88 Prozent, Herbst 2018: 86 Prozent). Nur 12 Prozent der Umfrageteilnehmer planen einen Stellenabbau, im Herbst waren es noch 14 Prozent. „Der leergefegte Arbeitsmarkt ist für viele Betriebe das Haupthindernis, warum sie ihre Kapazitäten nicht ausbauen können. Das bringt mit sich, dass Anwerbung und Bindung von Mitarbeitern teurer werden und die so steigenden Arbeitskosten die Wirtschaft zusätzlich belasten“, sagt Marjoke Breuning.

Zweiter Unsicherheitsfaktor für die exportstarke Wirtschaft in der Region ist der Außenhandel. Der Anteil der Betriebe, die mit steigenden Exporten rechnen, ist seit Herbst von 39 auf 35 Prozent gesunken. 14 Prozent erwarten 2019 weniger Ausfuhren (Herbst 2018: 10 Prozent). „Die Industriebetriebe erwarten vor allem aus der Eurozone mehr Aufträge in diesem Jahr. Auch aus China und den USA kommen positive Impulse, aber sie sind schwächer als zuvor“, so Heinrich Baumann, stellvertretender IHK-Präsident und Präsident der Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen. Gründe dafür sind der Handelsstreit zwischen den beiden Ländern, der auch die Lieferketten der regionalen Wirtschaft beeinflusst, sowie das abgeschwächte Wachstum in der Volksrepublik China. Den größten dunklen Schatten wirft der Brexit voraus. Mehr als 800 Betriebe in der Region Stuttgart haben Handelsbeziehungen nach Großbritannien. „Der Brexit trifft den engverflochtenen EU-Binnenmarkt in sein Herz. Was wir jetzt dringend brauchen, ist eine Entscheidung über das Austrittsszenario. Dann können sich die Betriebe vorbereiten und die IHK-Außenwirtschaftsexperten dabei passgenau und konkret unterstützen“, sagt Baumann.

Blick in die Branchen: Die regionale Industrie sieht sich auf sehr hohem Niveau in sogar wieder verbesserter Lage im Vergleich zum Herbst. Die Kapazitätsauslastung ist mit 89 Prozent so hoch wie nie. Trotzdem hat sich der Blick nach vorne nochmals leicht eingetrübt, bleibt aber verhalten zuversichtlich. Die Bauwirtschaft sieht sich derzeit in der besten Lage seit Jahrzehnten und blickt auch sehr optimistisch nach vorne. Dafür sorgen weiter zunehmende Aufträge. Die Fachkräfteengpässe hingegen bleiben eine große Sorge. Im Handel hat die Zufriedenheit hingegen nachgelassen. Während die Großhändler von der weiterhin guten Konjunktur ihrer Geschäftskunden profitieren, spürt eine wachsende Zahl von Einzelhändlern eine zunehmende Kaufzurückhaltung. Die Dienstleister in der Region sind zufriedener als zuvor. Überdurchschnittlich gut läuft es bei den Informations- und Telekommunikationsdienstleistern, die von der Digitalisierung der Wirtschaft profitieren. Der Fachkräftemangel treibt auch die Dienstleister um: 7 von 10 sehen ihn als Geschäftsrisiko. Entsprechend sind auch die Aussichten im Vergleich zum Herbst 2018 leicht abgeschwächt.

PM IHK Region Stuttgart

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