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Stimmungsbild: Hohe Beeinträchtigung durch Fahrverbote – IHK: Attraktivere Park-und-Ride-Angebote für Pendler schaffen

„Die Fahrverbote in Stuttgart treiben die Region um und beeinträchtigen offenbar viele Unternehmerinnen und Unternehmer und ihre Beschäftigten“, fasst Marjoke Breuning, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart ein aktuell von der Kammer erhobenes Stimmungsbild zusammen. Unternehmen, Pendler, Azubis und ehrenamtliche IHK-Prüferinnen und -Prüfer im Großraum Stuttgart wurden zu den seit Jahresbeginn 2019 geltenden Fahrverboten für Euro-4-Dieselfahrzeuge im Stuttgarter Stadtgebiet befragt.

„Die Resonanz auf die Umfrage war enorm: Innerhalb von fünf Tagen haben wir rund 1.500 Rückmeldungen bekommen.“ Mehr als 70 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, sich in unterschiedlicher Form von den Fahrverboten beeinträchtigt zu fühlen. Nur etwa ein Viertel fühlt sich davon nicht betroffen. Überdurchschnittlich leiden Händler, die zu mehr als 75 Prozent das Fahrverbot als negativ für ihr Geschäft erleben. „Sollten 2020 Fahrverbote für Euro-5-Dieselfahrzeuge kommen, wird die Stimmung sicherlich noch düsterer werden“, so Breuning. Auch wenn einige Unternehmerinnen und Unternehmer für Fahrverbote sind, so spreche die IHK für die Mehrheit der Betriebe, wenn man hoffe, dass keine weiteren Fahrverbote kommen.

Das Stimmungsbild macht deutlich, wie unterschiedlich die Folgen der Verkehrsbeschränkungen aussehen. Unmittelbar betroffen sind Betriebe, die mit ihren Fahrzeugen nicht mehr nach Stuttgart hinein fahren können. „Beispielsweise Handelsvertreter, Schulungsanbieter oder schwerbehinderte Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen eine individuelle Ausnahmegenehmigung. Aus dem Kontakt mit Mitglieds-betrieben wissen wir, dass die Stadt deren Ausstellung sehr streng handhabt“, so die IHK-Präsidentin. Das heißt in der Praxis, dass für eine solche Genehmigung nachgewiesen werden muss, dass das Fahrverbot die Existenz des Betriebes gefährdet – eine hohe Hürde. Mittelbare Betroffenheit melden Betriebe dadurch, dass ihr Fuhrpark an Wert verliert oder Kunden und Lieferanten abspringen. Durch die enge Verflechtung der Wirtschaft in der Region sehen sich auch Unternehmen in den umliegenden Landkreisen stark betroffen.

IHK-Präsidentin Breuning: „Was mich besorgt: Mehr als 40 Prozent der Unternehmen, die sich durch die Fahrverbote beeinträchtigt sehen, denken darüber nach, in Zukunft ihren Geschäften zumindest teilweise außerhalb Stuttgarts nachgehen zu wollen.“ So drohe der Wirtschaftsstandort durch die Fahrverbote nachhaltig Schaden nehmen. Auch Homeoffice für pendelnde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den Kauf neuer Fahrzeuge nennen die Betriebe als Strategien, um mit den Fahrverboten umzugehen. „Flottenerneuerung ist ein wichtiger Schritt in Richtung saubererer Luft. Wir müssen aber immer auch daran denken, dass kleine und mittlere Betriebe größere Investitionen häufig nicht ohne weiteres stemmen können“, so Breuning.
Einen großen Effekt auf die Luft- und Verkehrsbelastung in Stuttgart haben auch die vielen Pendler. „Wir müssen das Thema Park-and-ride-Parkplätze noch stärker in den Fokus nehmen“, sagt die IHK-Präsidentin. Eine erste Blitzanalyse der IHK mache deutlich, dass das Angebot in der Region noch nicht so attraktiv sei, wie notwendig, um mehr Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu bewegen. Es gelte jetzt, die Lage genauer zu analysieren. Ziel müsse sein, Park- und ÖPNV-Kapazitäten an den richtigen Stellen zu schaffen, regionsweit attraktive und transparente Angebote zu entwerfen und dann das Marketing für Park-and-ride zu verstärken.

PM IHK Region Stuttgart

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