Kuchen: In dem denkmalgeschützten SBI Fabrikgebäude entsteht „das schönste Pflegeheim überhaupt“ – gestern begannen die Umbauarbeiten

Das neue Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz (WTPG) Baden-Württemberg ist erst im Juli 2014 in Kraft getreten – in Kuchen entsteht jetzt in dem alten, denkmalgeschützten Fabrikgebäude der ehemaligen Baumwollspinnerei und Weberei die erste Seniorenresidenz, die voll und ganz erstmals das neue Gesetz umsetzt.

Das WTPG enthält eine Vielzahl von neuen Regelungen und Vorschriften, insbesondere zu Mindestpersonalausstattungen, Ausstattung der stationären Pflege und der Einrichtung von ambulanten Wohngemeinschaften.

SBI Spatenstich 1Bei einem Empfang zum Baubeginn, einem Spatenstich vergleichbar, blickte der Bürgermeister der Gemeinde Kuchen, Bernd Rößner, auf die wechselhafte Geschichte dieses Gebäudes nach dem Zerfall der ehemals größten Baumwollspinnerei Europas zurück. Erst kaufte die Gemeinde Kuchen das gesamte Areal der SBI, um Teile später weiter zu verkaufen. So wurde auch dieses Gebäude 1989 an den heutigen Investor Helmut Mayer aus Gosbach verkauft, der seinerzeit ein Zentrallager in diesem ehemaligen Fabrikgebäude, in den hunderte Webstühle standen, errichten wollte. Aber trotz der Größe des Gebäudes war es für das gewünschte Lager schon bald viel zu klein, ergänzte Investor Mayer, Umbau- und Erweiterungswünsche scheiterten an dem Widerstand des Denkmalschutzes. So gab es fortan eine wechselhafte Nutzung des Gebäudes, in dem Einzelhandel genauso betrieben wurde wie eine Indoor-Golfanlage oder eine Diskothek.

Im Auftrag des Investors übernimmt die Lindauer Firma i*R Dietrich Wohnbau als Bauträger die Realisierung des Umbaus der denkmalgeschützten ehemaligen Fabrik zum „schönsten Pflegeheim überhaupt“, wie Mayer stolz betonte.

In dem mächtigen Gebäude entstehen im Erdgeschoss zwei selbstständige Senioren-Wohngemeinschaften (WG), in dem jedes Mitglied als eigenständiger Mieter einzieht. Die Wohngemeinschaften sind durch die MOBILE HILFE GmbH trägerinitiiert und somit durch Präsenzkräfte unterstützt, die individuell mit den WG-Teilnehmer/Innen den Alltag bewältigen und nach ihren Wünschen gestalten. Sollte ein Bewohner oder eine Bewohnerin der WG eine pflegerische Unterstützung brauchen, so können externe Dienste frei gewählt werden.

Im 1. und 2. Stockwerk werden vier Wohnbereiche mit jeweils 15 + 1 Einzelzimmern für die stationäre Pflege von Senioren eingerichtet. Die Zimmer sind alle modern ausgestattet und haben jeweils eigene Duschen und WC´s. Jeder Wohnbereich wird separat geführt und von Pflegefachkräften betreut. Zu den 15 ständig belegten Pflegezimmern eines Wohnbereichs soll jeweils ein weiteres Zimmer für die Aufnahme von Kurzzeitpflegegästen kommen.

Neben den Wohngemeinschaften und der Pflegeeinrichtung entstehen zusätzlich Räume für Praxen und Dienstleister im Erdgeschoss. Im Obergeschoss entstehen bis zu 17 wunderschöne Penthaus-Wohnungen, die,  nicht nur für Senioren, in Kürze zur Miete angeboten werden.

Erstmals haben sich unterschiedliche Träger (Foto) gefunden, die in einem Gebäude verschiedene Wohnformen für Senioren sowie für generationsübergreifendes Wohnen vorhalten. Von der normalen Mietwohnung bis zur Penthaus-Wohnung, von der Wohngemeinschaft bis zum Pflegezimmer gibt es Angebote für Menschen, die keiner Unterstützung bedürfen, aber auch für Menschen, die eine ambulante oder stationäre Pflege in Anspruch nehmen.

Um dieses zukunftsweisende Konzept umzusetzen, haben sich viele Beteiligte zusammengefunden. Der Immobilieneigentümer und Investor Helmut Mayer hat eigens eine neue Firma, die Pflegepark  GmbH & Co KG ins Leben gerufen. Mit der i+R Dietrich Wohnbau GmbH fand sich ein Totalunternehmer, der sich mit einem solch komplexen Bauvorhaben in einem denkmalgeschützten ehemaligen Fabrikgebäude auskennt und mit der Seniorenresidenz am SBI-Park GmbH ein ortsansässiger Betreiber für den Pflegebereich. Die Stellung der Präsenzkräfte und die Beratung der Wohngemeinschaften übernimmt die MOBILE HILFE GmbH in Kuchen. Die Firma für Senioreneinrichtungssysteme Mauser GmbH & Co KG wird für die Planung und Gestaltung der modernen Inneneinrichtung und –Ausstattung verantwortlich sein.

Das Haus bekommt einen offenen Innenhof als Wandelhalle (ca. 12 x 24 Meter über drei Stockwerke) und ein Café, welches nicht nur den Hausbewohnern offen steht. Die Wandelhalle, das Café, aber auch die einzelnen Wohnungen und Zimmer sollen eine leichte, luftige und freundliche Atmosphäre ausstrahlen und auch, mit Bildern und Exponaten, an die Geschichte der SBI erinnern, seinerzeit eine der größten Baumwollspinnereien und Webereien Europas.

Eine zusätzliche Aufwertung der Wohnqualität erhält das Gebäude dadurch, dass die Gemeinde Kuchen den angrenzenden SBI-Park aufwendig nach alten Plänen wieder herrichten lässt. In dem Park sollen ab dem nächsten Jahr wieder kulturelle Veranstaltungen und Hochzeiten stattfinden können.

Alleine im Pflegebereich der Seniorenresidenz entstehen rund 60 neue Voll- und Teilzeit-Arbeitsplätze für Pflegefachkräfte, Pflegehelfer, Hauswirtschafter und Verwaltungsangestellte. Um diesen hohen Fachkräftebedarf nachhaltig sichern zu können, setzen die Gesellschafter der Seniorenresidenz am SBI-Park, Dominik Büttner und Andreas Dürr, vor allem auf die eigene Ausbildung. Die Seniorenresidenz wird eigene Praxisanleiter vorhalten, um so die schulische Ausbildung zu unterstützen. In einem eigenen Lernbüro, in dem den Schülern neben Internet und Fachliteratur auch alle Hilfsmittel zum praktischen Üben zur Verfügung stehen, werden schulische Lerninhalte weiter vertieft um allen Auszubildenden einen bestmöglichen Abschluss zu ermöglichen. Die Position der Einrichtungsleitung ist schon heute, ein Jahr vor der geplanten Eröffnung, vergeben. Weitere Fachkräfte werden aber gesucht. „Wir freuen uns über jede Bewerbung“, so Geschäftsführer Andreas Dürr von der Seniorenresidenz am SBI-Park.

Nachdem nun die Baugenehmigung des Landratsamtes, in der viele Auflagen des Denkmalschutzamtes einflossen, vorliegt, wurde im März mit den Bauarbeiten begonnen werden. Im März nächsten Jahres wird das Gebäude bezugsfertig sein und die stationäre Pflegeeinrichtung den Betrieb aufnehmen.

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