Sicheres Telefonieren trotz gehackter SIM-Karte

Die neuesten Snowden-Enthüllungen liefern einen weiteren Beleg dafür, dass Handy-Gespräche seit Jahren flächendeckend abgehört werden. Die von NSA und GCHQ gehackten SIM-Karten des Herstellers Gemalto betreffen in Deutschland und Europa viele Millionen Smartphone-Besitzer. Gemalto hat in Europa einen Marktanteil von 30 Prozent, weltweit sind es circa 50 Prozent. Auch der in Deutschland führende Hersteller Giesecke & Devrient war im Visier der Geheimdienste.

Um sich vor der Überwachung zu schützen, können sich Smartphone-Besitzer mit der kostenlosen Open-Source-App Simlar ausstatten. Die sehr einfach zu bedienende und trotzdem zuverlässige Anwendung verschlüsselt Gespräche über das Internet. Dabei spielt es keine Rolle, ob die SIM-Karte manipuliert wurde.

Das deutsche Entwickler-Team aus Köln arbeitet seit fast zwei Jahren an Simlar. Seit Januar 2015 gibt es die App sowohl für Android-Handys als auch für iPhones. Simlar steht für „Simple Leak Avoider“ und bedeutet in etwa „einfacher Schutz vor Sicherheitslecks“. Die Entwickler setzen bei der Verschlüsselung auf ZRTP, ein bewährtes Ende-zu-Ende Verschlüsselungsprotokoll. Mitlauschen ist selbst für die Simlar-Betreiber damit ausgeschlossen. „Kryptographie war zu lange ein Privileg für Computer-Spezialisten. Wir wollten eine App entwickeln, mit der sogar unsere Eltern gerne telefonieren“, sagt Hauptentwickler und Kopf von Simlar Ben Sartor.

Die Gespräche laufen per VoIP über das Internet. Im heimischen WLAN sind die Anrufe also gratis. Über mobiles Internet empfiehlt sich eine Datenflatrate. Bei guter Internet-Verbindung bietet Simlar eine saubere und klare Tonqualität. Dank Peer-to-Peer-Technik ist die Latenz sehr gering. Anhand des Telefonbuchs findet die App automatisch alle Kontakte, die auch Simlar installiert haben. Das Programm steht als freie Software unter der GNU GPLv2-Lizenz zur Verfügung.

Simlar.org ist ein Open-Source-Anbieter für verschlüsselte Peer-to-Peer-Telefonie nach deutschen Datenschutzrichtlinien. Hinter Simlar steckt ein siebenköpfiges Team aus Köln, das ehrenhalber an der App arbeitet. Das Ziel der App war und ist, verschlüsselte Kommunikation für jeden möglich zu machen – so einfach wie möglich.

PM

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