Deutsche Videospielbranche wächst, doch Marktanteil inländischer Entwicklungen stagniert

Die deutsche Games-Branche befindet sich auf einem wahrlichen Höhenflug und konnte innerhalb der ersten sechs Monate des Jahres beachtliches Wachstum verzeichnen. Während die Umsätze der Gesamtbranche rasant steigen, profitieren deutsche Spieleentwicklungen von diesem starken Aufwärtstrend nicht.

Der Marktanteil deutscher Spiele am Markt in Deutschland stagniert weiterhin bei unter 5 Prozent. Internationale Spiele dominieren den Markt, wo auch für inländische Studios viel Potenzial stecken würde. Die Branche wächst, der Umsatz steigt, doch die Ausgaben wandern ins Ausland. Um diesen Trend zu stoppen, deutsche Entwicklungen voranzutreiben und auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig zu werden, startete im September die große bundesweite Games-Förderung. Auch in Baden-Württemberg gibt es seit dem Sommer das Förderprogramm Games BW der MFG Baden-Württemberg.

Marktanteil deutscher Videospielentwicklungen stagniert bei unter 5 Prozent

Während der Spielemarkt in Deutschland stetig wächst und sowohl 2019 als auch in der ersten Jahreshälfte 2020 neue Rekordumsätze verschreiben konnte, bleibt der Marktanteil deutscher Spieleproduktionen bei unter fünf Prozent. 2017 konnten deutsche Entwickler noch 5 Prozent des Marktes ausmachen, 2018 sank dieser Wert auf gerade einmal 4,3 Prozent. 2019 konnte zwar ein leichter Zuwachs verzeichnet werden, dennoch liegt der Anteil deutscher Produktionen auf dem inländischen Spielemarkt mit 4,9 Prozent weiterhin unter der 5-Prozent-Marke. Konnten 2019 auf dem deutschen Games-Markt insgesamt ein Umsatz in Höhe von über 3,4 Milliarden Euro verzeichnet werden, landeten gerade einmal 168 Millionen Euro bei deutschen Studios. Dies gab der game – Verband der deutschen Games-Branche bekannt.

Gesamte Videospielbranche im Land wächst rasant

Mit Blick auf die rasant steigenden Zahlen zur ersten Jahreshälfte 2020 erscheint der geringe Anteil inländischer Produktionen noch enttäuschender. Innerhalb der ersten sechs Monate konnte die deutsche Spielebranche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27 Prozent zulegen. Damit stiegen die Umsätze von 2,9 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2019 auf über 3,7 Milliarden Euro in der ersten Jahreshälfte 2020. Der Spielemarkt wächst mit beachtlicher Geschwindigkeit, was die steigende Bedeutung der Branche eindeutig aufzeigt. Immer mehr Menschen – in Deutschland bereits über 34 Millionen – spielen Spiele, während die digitale Art der Unterhaltung immer mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommt.

Diese Entwicklung ist unter anderem auf die breite und steigende Auswahl an Spielen zurückzuführen, die es einer immer größeren Menge an Menschen auf einfache und effiziente Weise ermöglicht, in die Spielwelt zu treten. Mit wenigen Klicks lassen sich im App-Store Spiele jedweder Art einfach herunterladen, um direkt loszuspielen. Von Angry Birds bis Fortnite ist hier alles dabei. Auch der Gang zum Spielegeschäft und der Kauf von Datenträgern ist heute nicht mehr vonnöten, während sich sämtliche Computer- und Konsolenspiele über Downloads erwerben lassen. Sogar, um in den Genuss einer breiten Auswahl an Casinospielen zu kommen, muss man heute nicht mehr in die Spielhalle oder Spielbank. Durch das vielfältige Angebot im Online Casino können jede Menge Spielautomaten einfach online gespielt werden, von klassischen Fruchtautomaten bis hin zu modernen 3D-Slots ist im Internet alles einfach zugänglich. Dank dieser vielseitigen und besonders einfachen Möglichkeiten sind die Einstiegsbarrieren deutlich reduziert, was mehr Menschen in die Videospielwelt eintreten lässt. Doch wo sind die deutschen Produktionen?

Spieleförderung unterstützt inländische und regionale Produktionen

Bei der steigenden Menge an Spielen konnten deutsche Studios nur einen geringen Teil beitragen. Dennoch konnten in bestimmten Teilsegmenten gewisse Marktanteilzuwächse verzeichnet werden. So stieg der Anteil deutscher Produktionen im Bereich der Computer- und Konsolenspiele von 1,1 auf 1,9 Prozent an, was unter anderem dem Release des neuen „Anno 1800“ von Ubisoft zu verdanken ist. Im stark wachsenden Segment der Spiele-Apps gingen deutsche Produktionen jedoch von 3,2 auf 2,9 Prozent zurück.

Um inländische Entwicklungen aus dem geringen Marktanteil von unter 5 Prozent herauszuholen, gibt es jetzt in Deutschland die große Spieleförderung, die im September an den Start ging, nachdem sie zuvor noch nicht im Haushaltsplan 2020 vorgesehen war. Deutschland soll mit der neuen Förderung endlich als Games-Standort international konkurrenzfähig werden. Auch in Baden-Württemberg wurde kürzlich eine dedizierte Games-Förderung durch das Förderprogramm Games BW der MFG Baden-Württemberg eingeführt. Diese unterstützt deutsche Spieleentwickler der Region, um die Games-Branche in Baden-Württemberg zu stärken. Entwickler können hierzu je nach Phase des Projekts und unter Beachtung der Voraussetzungen bis zu 500.000 Euro als Zuschuss oder Darlehen beantragen. Durch diese Maßnahmen soll der Marktanteil deutscher Entwicklungen gesteigert und die Spielindustrie Deutschlands gestärkt und wettbewerbsfähig gemacht werden.

Die Games-Branche in Deutschland verzeichnet ein rasantes und steiles Wachstum. Trotz starker Umsatzsteigerung profitieren deutsche Entwicklerstudios nur kaum, während der Marktanteil inländische Produktionen weiterhin sehr gering ausfällt. Um diesen Trend zu ändern, soll jetzt die bundes- und landesweite Games-Förderung die Branche stärken.

Foto oben: pixabay.com, Foto unten: images.unsplash.com

 

PM

 

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