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50 Jahre Grundsätze der Rotkreuz-Bewegung 2015“ – Größtes humanitäres Solidarnetz der Welt

Dr. Johannes Richert ist als Bereichsleiter für den Bereich „Nationale Hilfsgesellschaft“ der oberste Leiter für die Einsätze des Deutschen Roten Kreuzes im Ausland. Im Geislinger DRK-Haus referierte er über die aktuellen Einsätze des DRK in über 50 Ländern der Welt.

50 Jahre Grundsätze der RK-BewegungMenschlichkeit. Unparteilichkeit. Neutralität. Unabhängigkeit. Freiwilligkeit. Einheit. Universalität – Das sind seit 50 Jahren die sieben Grundsätze der Rotkreuzbewegung. „Sie wurden 1965 in Wien festgelegt und gelten für alle 194 Vertragsstaaten, die das Genfer Abkommen unterzeichnet haben und die jeweiligen Rotkreuz- oder Rothalbmond-Gesellschaften“, so Dietmar Merten, DRK-Konventionsbeauftragter im Kreisverband Göppingen. Im Rotkreuz-Landesmuseum in Geislingen begrüßte er neben zahlreichen Zuhörern Dr. Johannes Richert. Als Bereichsleiter „Nationale Hilfsgesellschaft“ des DRK erlebt der diese Grundsätze täglich in der Praxis. „Menschlichkeit ist der ethische Imperativ dafür, jedermann zu helfen, der in Not ist“, führte dieser aus, um aber gleich einzuschränken: „Die anderen Grundsätze haben mit Ethik nichts zu tun, sondern mit der Entwicklung des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes.“ Und: „Neutralität zum Beispiel klingt gut, kann aber subjektiv als ziemlich unethisch wahrgenommen werden“. Sein schockierendes Statement untermauerte er mit Beispielen: „Wenn wir üble Folter sehen in Darfur zum Beispiel, dann nehmen wir dazu keine Stellung. Wir können uns im Irak oder in Syrien auch nicht gegen die jeweiligen Konfliktparteien aussprechen. Nur wenn wir neutral sind, können wir helfen“. Neutralität sei Mittel zum Zweck, um den Zugang zu Hilfsbedürftigen zu erhalten, klärte er auf.

Auch die „Unabhängigkeit“ sei im Prinzip ein Paradoxon. Alle Staaten bestätigen ihren jeweiligen nationalen Rotkreuz-Gesellschaften die Unabhängigkeit, „obwohl wir gleichzeitig eine staatliche, wenn auch Nichtregierungs- Hilfsorganisation sind.“ Weil die Prinzipien jedoch durchweg für die gesamte Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung gelten, sei das Rote Kreuz das größte humanitäre Solidarnetz der Welt. „Wenn eine Schwestergesellschaft in Not gerät, sind alle Partner verpflichtet zu prüfen, ob sie helfen können“, erläuterte er. Dabei sei das DRK nicht spontan, sondern folge militärisch diszipliniert einem Abruf. „Die Nepalesen etwa koordinieren vor Ort und wir liefern erst dann, wenn sie sich bei uns melden und konkret sagen, was sie von uns benötigen.“

Die Schwerpunkte des DRK bei Auslandseinsätzen liegen im Humanitären Bereich mit medizinischer Nothilfe oder Lebensmittelpaketen, in der Rehabilitation beim Wiederaufbau einer Infrastruktur und in der Entwicklungszusammenarbeit. Momentan sei das DRK in fast 50 Ländern der Welt mit Delegierten aus Deutschland im Einsatz, erzählte der Referent und berichtete von der Ukraine, Syrien, Kolumbien oder dem kenianischen Flüchtlingslager Dadaab. Die Arbeit in Krisenregionen beginne nur auf Anfrage der Schwesterngesellschaft oder des Dachverbandes, also der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften oder des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Die Organisation arbeite immer eng mit anderen starken Schwestergesellschaften zusammen, alle hielten sich an oben genannte Grundsätze und alle Konfliktparteien seien über den Einsatz informiert. Grundsätzlich gelte, dass das Rote Kreuz beziehungsweise die Helfer des Roten Halbmondes Zugang zu allen Hilfsbedürftigen haben – völlig unabhängig davon, zu welcher Konfliktpartei diese gehören. „In der Praxis in Syrien ist es momentan jedoch so, dass die vielen Konfliktparteien den Grundsatz der Neutralität nicht verstehen. Die Helfer des Syrischen Roten Halbmondes setzen bei jedem Einsatz ihr Leben aufs Spiel, weil die Kämpfer nicht akzeptieren, dass sie dem jeweiligen Gegner auch helfen. 40 Helfer wurden schon umgebracht, viele inhaftiert“. Mit diesem tragischen Beispiel nicht gelebter Konvention beendete Dr. Richert seine Ausführungen.

Auf dieser Grundlage bekamen der Dank, die Anerkennung und der Respekt, den der Bundestagsabgeordnete Hermann Färber bereits im Vorfeld den Konflikthelfern ausgesprochen hatte, weiteres Gewicht.

Claudia Burst

 

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