Jugendsanitäterausbildung: Fast schon Fachpersonal

Anatomiewissen, Erste-Hilfe-Kenntnisse, die Spezialausbildung des Rettungsdienstes – bei der mehrtägigen Jugendsanitäterausbildung des DRK-Kreisverband Göppingen war viel Theorie und Praxis gefragt. Die Prüfung legten 16 Jugendliche erfolgreich ab.

Jugendsanitäter a„Wie lautet der Name des Blutgefäßes, das vom Herzen wegführt?“, fragt Romina Höfle – und die Hände fliegen nach oben. Alle Fragen, die die Jugendrotkreuz-Mitarbeiterin in dieser Theoriestunde zum Herz und dem Blutkreislauf stellt, können die Zwölf- bis 16-Jährigen beantworten. Dabei sind sie noch „Schüler“, die schriftliche und praktische Prüfung zum Jugendsanitäter findet erst eine Woche später statt. Wer sie mit dem medizinischen Fachjargon jonglieren hört, glaubt indes, Fachpersonal vor sich zu haben. „Unsere Teilnehmer dieses Jahr sind ausgesprochen engagiert und sehr selbstständig“, lobt denn auch Ulrich Nemec die Gruppe mit Teilnehmern aus Schlierbach, Geislingen, Hattenhofen, Heiningen und Süßen. Zum Team, das die Schulung durchführt, gehört auch David Gondert.

Neben theoretischen Kenntnissen steht auch viel Praxis aus dem Stundenplan. Während Romina Höfle den Unterschied zwischen systolischem und diastolischem Wert beim Blutdruckmessen erläutert, öffnet Uli Nemec eine Kiste mit Blutdruckmanschetten und Stethoskopen. Die Jugendlichen sollen in Zweierteams ausprobieren, was sie in der Theorie so gut erklären können. Die Praxis ist doch nicht so einfach: hier lässt sich die Manschette wegen des hochgekrempelten Sweatshirt-Ärmels nicht anbringen, dort kann einer trotz Stethoskopverstärker im Ohr überhaupt nichts hören. Die drei JRK-Mitarbeiter kümmern sich um alle, geben Hilfestellung, beantworten individuelle Fragen. Ein Mädchen etwa bekennt, dass sie nicht weiß, wie sie den diastolischen Wert, also den unteren der beiden gemessenen Blutdruckwerte, erkennen soll. „Der Moment, wenn das Pochen beginnt, ist der obere Wert, wenn das Pochen wieder aufhört, der untere“, informiert Romina Höfle ihre Schüler. Die sind mit Intensität bei der Sache, konzentrieren sich mit zusammengezogenen Augenbrauen und teilweise mit der Zunge zwischen den Lippen auf Poch- und Fließgeräusche.

Dann wird der Rot-Kreuz-Nachwuchs eingekleidet. „Alle unsere Jugendrotkreuzler erhalten heute Jacke, Hose, Stiefel, Helm und Handschuhe“, sagt Nemec. Die Jugendlichen dürfen diese Einsatzkleidung behalten, so lange sie ihrer Jugendsanitätsgruppe angehören“. Stolz berichten Robin Küfner und Lukas Holzapfel aus Schlierbach: „Wir werden sie im Juni bei der 24-Stunden-Übung erstmals tragen“.

Die Fortbildung des Nachwuchses dauert zwei Wochenenden lang. Beim Einführungsseminar erfuhren die Jung-DRKler alles über die Grundlagen, Rechte, Pflichten und die Struktur des Deutschen Roten Kreuzes. Am Samstagvormittag stand die Erste-Hilfe-Auffrischung auf dem Programm, am Nachmittag „alles das, was früher als Sanitätskurs Teil A bezeichnet wurde“, so fasst Uli Nemec das komprimierte Wissen zusammen.

Der frühere stellvertretende Kreis-JRK-Leiter freute sich schon am ersten Samstag auf den nächsten Tag. „Dank der Kooperation des DRK-Rettungsdienstes können wir morgen die Jugendlichen mit deren Spezialmaterial bekannt machen“, berichtet er und meint damit so interessante Rettungsgeräte wie etwa Vakuummatratze oder das „Spineboard“. Es wird deutlich, eine Fortbildung beim Jugendrotkreuz ist alles andere als langweilig.

PM

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