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Hilfe für versauerte Waldböden – Bodenschutzkalkung im Landkreis Göppingen

Martin Geisel, Leiter des Forstamtes Göppingen: „Klimastabile Wälder sind natürliche Wasserfilter und Garant für sauberes Grundwasser. Über 70 Prozent unseres Trinkwassers kommt aus dem Wald.“

Den anthropogen versauerten Waldböden fehlt es an Nährstoffen und sie sind in ihrer Funktion als Bodenlebensraum, Pflanzenstandort und Filter für Trinkwasser gefährdet. Die bundesweite Bodenzustandserhebung II hat gezeigt, dass eine gezielte Kalkung von Waldböden die Situation hinsichtlich pH-Wert, Basensättigung, Kohlenstoffspeicherung, Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen auf anthropogen versauerten Waldböden deutlich verbessert.

Wie die Forstbehörde beim Landratsamt Göppingen mitteilt, findet ab 13. August 2018 auf Waldflächen im Schurwald eine Bodenschutzkalkung statt. Die zu kalkenden Waldgebiete liegen im Nordwesten des Landkreises; ein Bereich vom Kaisersträssle nördlich von Adelberg über Unter- und Oberberken und der zweite zwischen Ebersbach, Büchenbronn und Baiereck.

Je nach Wetterlage wird die Maßnahme maximal 3 Wochen in Anspruch nehmen. In dieser Zeit sollte der Waldbesuch in den genannten Gebieten vermieden werden.

„Mit der Ausbringung von Kalk soll die Versauerung der Waldböden abgemildert und die natürlichen Regenerationsprozesse der Böden unterstützt werden. Eine wichtige Grundlage für klimastabile Wälder mit ihren vielfältigen Funktionen, wie beispielsweise als Wasserfilter für sauberes Trinkwasser“ betonte Martin Geisel. Baden-Württemberg setzt seit rund zehn Jahren ein Gemisch aus Dolomit und Holzasche für die Bodenschutzkalkung ein, die entweder mit Hubschrauber ausgebracht oder mittels speziell ausgerüsteter Fahrzeuge vom Boden aus verblasen werden. Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen durch das Kalkmaterial bestehe nicht. In den berührten Waldgebieten komme es während der Ausbringungsarbeiten zu Wegesperrungen. „Waldbesuchende sollten die Sperrhinweise beachten, denn es ist mit einem erhöhten LKW-Verkehr aufgrund der Materialanlieferungen zu rechnen. Zur eigenen Sicherheit sollte das Gebiet in der Zeit des Helikopterfluges nicht betreten werden. Abgesehen davon, dass es staubt kann es vorkommen, dass kleine Steinchen oder Klumpen im Material enthalten sind. Damit diese keine Schäden anrichten, bitten wir die Menschen den Absperr- und Hinweisschildern Folge zu leisten“ betont das Forstamt.

 

Hintergrundinformation

Baden-Württemberg ist bundesweit eines der waldreichsten Länder. Es ist auf einer Fläche von rund 1,4 Millionen Hektar und damit zu 39 Prozent von Wald bedeckt.

Bodenversauerung

Die zunehmende Industrialisierung insbesondere im 20. Jahrhundert hat den Zustand der Waldböden nachhaltig beeinflusst. Massive Säureeinträge in den Boden haben dazu geführt, dass Nährstoffe ausgewaschen wurden und es entstand ein für viele Bodenlebewesen zu saures Milieu. Als Folge sind viele Waldböden in ihrer Funktion als Trinkwasserfilter, Pflanzenstandort und Lebensraum nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Die Schäden durch die Bodenversauerung aus der Vergangenheit können die Waldböden allenfalls nur zu Teilen selbständig regenerieren, was den Wald als Ökosystem und seine Funktion belastet. Mit dem Kalkungskonzept von ForstBW soll ein natürlicher Bodenzustand,  als Grundlage für einen Wald mit hoher Biodiversität und guten Voraussetzungen für den bevorstehenden Klimawandel erreicht werden.

Bodenschutzkalkung im Landkreis Göppingen

Die Planung, Ausschreibung und Überwachung der Durchführung übernimmt die Untere Forstbehörde des Landkreises Göppingen. Für die Planung der Bodenschutzkalkung wurden zahlreiche in einem GIS-System erfasste Informationen über den Bodenzustand durch die Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg herangezogen und durch hunderte Bodenproben im Staats- und Privatwald ergänzt. Auf diesen Grundlagen werden Karten erstellt, die als Planungsgrundlage der Kalkungsmaßnahme dienen. Darin sind bereits Kalkungsflächen, kalkungsempfindliche Ausschlussbereiche, die geeignete Materialmischung und eine Empfehlung zur Art der Ausbringung dargestellt. Auf Grundlage dieser Karten erfolgt eine Abstimmung mit der Naturschutz- und Wasserbehörde. Die Kalkungsmaßnahmen werden anschließend ausgeschrieben und die Durchführung der Maßnahme vor Ort von den Forstleuten überwacht.

Förderung für Waldbesitzende

Die Europäische Union fördert die Bodenschutzkalkung für Waldbesitzende unter 30 Hektar mit 100 Prozent der entstehenden Kosten. Lediglich die Umsatzsteuer ist nicht förderfähig und muss vom Eigentümer selbst getragen werden. Waldbesitzende über 30 Hektar werden mit 90 Prozent der Nettokosten gefördert. Die Preise differieren je nach Ausbringungsverfahren, sowie dem ausgebrachten Material. In befahrbaren Lagen (Hanglagen bis 30 Prozent) mit einem gut ausgebauten Wegenetz (Gassenabstand von max. 40 bis 60 Meter) kann ein Bodenverblasefahrzeug eingesetzt werden. In schwer befahrbaren Lagen (Hanglagen über 30 Prozent oder unzureichender Feinerschließung) kommen Hubschrauber zum Einsatz, was die Ausbringung um bis zu einem Drittel verteuern kann.

Förderanträge und weitere Unterlagen sind bei der unteren Forstbehörde erhältlich.

Foto: Kalkausbringung mit dem Hubschrauber (Bildquelle: T. Frohmaier)

PM Landkreis Göppingen Forstamt

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