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Von Schlotzern und Affenschaukeln

Unter schattigen Nussbäumen im Hofgelände der Familie Schönweiler las der Heimatdichter Karl Schönweiler aus seinem Buch „Schlotzer für a Zehnerle“, erzählte von „Affenschaukeln und Bienenkörben“.

Zuvor konnten sich die zahlreichen Besucher im alten Backhäusle, an der Mostpresse oder dem  Leiterwagen auf Geschichten aus dem füheren Dorfleben einstimmen. Dazu gab es selbstgemachten Most und erste Klaräpfel.

An einem ausgedienten Mostfass als Lesetisch versetzte der Dichter sein Publikum um mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Der Zeit zwischen Borgward Isabella und der schwarzen Chaise, dem von Pferden gezogenen, dörflichen Leichenwagen. Einer Epoche zwischen neumodischen, hochtoupierten Damenfrisuren, welche Bienenkorb genannte wurden und Affenschaukeln – zu Schlingen hochgebundenen Flechtzöpfen der Schulmädchen.

Das Dörflein Auental, unter dem Hohenstaufen gelegen, den die Gäste direkt vor sich sehen konnten, ist Schauplatz und Ausgangspunkt einer Reihe von heiteren Geschichten aus dem Jahr 1962. Dem Buben Till fehlt einige Pfennige für die vier Schlotzer, die er der Neuen in der Klasse zum Geburtstag schenken will. Das Problem löst sich auf dem Weg zum Bäcker, da er einigen Handwerkern wieder einmal den Sendboten  spielen darf sowie den Laufburschen für Wagners Salem. Im Bäckerladen sind es auch nicht die Schlotzer, sondern ein Päckchen Kaugummi, das ihn schließlich in arge Bedrängnis bringt. Der lebhafte Vortrag des Dichters – die Dialoge sind in schwäbischer Mundart verfasst – regte häufig zu allgemeinem Schmunzeln an. Am Ende gab es lebhaften Beifall.

Ehe es auf die kleine Wandertour ging, durfte noch selbst gemachter Most gekostet werden. Karl Schönweiler wählte angesichts des heißen Nachmittags den schattigen Waldpfad in Richtung Hohenstaufen. Zwischen Wald und Flur ließ er in poetischer (Kurz-)Form das Leben der zirka vierhundert Jahre alten „Großen Eiche“ Revue passieren. An exponierter Stelle mit schöner Sicht über das Ottenbacher Tal bis zum Albtrauf las er das Gedicht „Medaillon“ mit dem Schlussvers: „Wer einmal den Zauber dieser Landschaft erkannt hat, wird ihn in sich tragen, wie ein Medaillon mit dem Bild der Mutter“.

Nach zwei Stunden erreichte die große Gruppe das Albvereinshaus bei Ottenbach, wo es nach Poesie und Landschaft nun Kaffee und Kuchen gab.   Eine rundum gelungene Veranstaltung, wie es allgemein zu hören war.

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