Podiumsdiskussion der vier Landtagskandidaten in Geislingen ohne Sieger

Sascha Binder (SPD MdL) war der schlagfertigste, Armin Koch (FDP) der Träumer, Nicole Razavi (CDU MdL) die Großzügigste und Eckhart Klein (Grüne) der Sachlichste. Insgesamt war es vor gut 300 Zuhörern eine informative Veranstaltung, die aber wenig neue Erkenntnisse brachte. Wichtigste Aussage gegenüber dem Filstalexpress war wohl die des FDP-Kandidaten, dass ihm die CDU mit einem Ministerpräsidenten Wolff als Koalitionspartner am liebsten ist.

v.l.: Koch, Klein, Binder, Razavi

v.l.: Koch, Klein, Binder, Razavi

Die Podiumsdiskussion begann mit der Vorstellung der Kandidaten der im Landtag vertretenden Parteien. Razavi und Binder als Politprofis, Koch und Klein als Neulinge in der Politik. Sich selbst beschrieben die Kandidaten als am Bürger ausgerichtet (Razavi), unbequem und laut (Koch), als langfristiger Visionär aber tagespolitischer Realist (Klein) und auf Augenhöhe mit dem Bürger (Binder).

Der Naturschutz spielt für die FDP keine Rolle, sie wollen sogar das neue Jagdgesetz im Interesse der Jäger rückgängig machen. Razavi forderte eine Ausgewogenheit der Interessen der Wirtschaft und der Natur genauso wie Binder, nur Klein forderte für den Naturschutz in der Breite noch mehr zu tun, zum Beispiel durch eine Innenraumverdichtung statt immer neuer Baugebiete am Ortsrand. Razavi forderte dagegen die Ausweisung weiterer Gewerbegebiete wogegen Binder erst einmal das Gewerbegebiet in Türkheim belegen will.

Alle Landtagskandidaten setzen sich für einen Weiterbau der B10 ein, deren Verzögerung Razavi und Koch eher bei der Landesregierung, Binder und Klein eher bei der Bundesregierung sahen. Dass die Bundesregierung lieber die Umgehung in Möglingen baut statt die B10 bleibt deren Geheimnis, so Klein, der fordert, dass Ausgleichmaßnahmen für die B10 im Geislinger Raum ausgewiesen werden müssen.

Einig waren sich alle über die Vorteile des Metropolexpress im Halb-Stunden-Takt für Geislingen. Inzwischen gewinnt auch der Merklinger Halt an der Neubaustrecke Wendlingen/Ulm die Zustimmung der Kandidaten im Wahlkreis 11.

Obergrenzen bei den Flüchtlingen wollen Koch und Razavi einführen auch wenn diesen nach Aussage des Rechtsanwaltes Binder verfassungswidrig wären. Klein fordert Menschen, die Angst vor Flüchtlingen haben auf, diese erst einmal kennenzulernen, in dem man einmal mit ihnen spricht, sich über ihre Fluchtursachen informiert.

Bei der Gemeinschaftsschule gingen die Meinungen erwartungsgemäß weit auseinander. Koch erwartet, dass sich die Gemeinschaftsschule schon bald überlebt haben wird. Razavi will die Gemeinschaftsschule nicht wieder abschaffen, aber auch keine neuen Schulen mehr zulassen, auch wenn der Elternwille dies fordern sollte. Dies sieht Klein ganz anders: die Gemeinschaftsschule wurde und wird nur gegründet, wenn die Kommunen und Eltern vor Ort es so wollen. Keine Gemeinschaftsschule wurde vom Land vorgeschrieben, so Klein, der auch das Gymnasium als Angebot erhalten will. Nur wo die Schülerzahlen es rechtfertigen bekommen die Gemeinschaftsschulen auch eine Oberstufe, so Klein. Binder sieht in der Gemeinschaftsschule viele Vorteile, er hätte sicherlich manche Stunde intensiver erlebt, so Binder vielsagend.

Recht großzügig zeigte sich Razavi, was die Landesfinanzen anbelangt. 1.500 mehr Polizeistellen, 1 Mrd. mehr für den Straßenbau, wo der Neubau wieder bevorzugt werden soll, was auf den Widerspruch von Klein traf, der fragte, ob es besser ist ein neues Haus zu bauen, wenn beim alten Haus das Dach undicht ist.

Binder verteidigte die Polizeireform, die für eine effektive Ermittlungsarbeit mit Fachleuten unerlässlich sei. Koch regte an, die Ausbildungszeit der Polizisten zu verkürzen um so schneller Polizisten in den Dienst stellen zu können.

Sollte die Kandidaten nicht gewählt werden, werden die selbstständigen Unternehmer Eckhart Klein und Armin Koch ihre Firmen weiterführen. Nicole Razavi wird in ihren Beruf zurückkehren, in welchen ließ sie offen, sie war schon Lehrerin, Skilehrerin aber auch Verbandfunktionärin und SPD-Fraktionsmitarbeiterin. Sascha Binder kehrt in seinen Beruf als Rechtsanwalt in Geislingen zurück.

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