Göppingen: Sonneberg zu Gast im Storchen

Eine Auswahl typischer Erzeugnisse der Sonneberger Spielzeugherstellung aus drei Jahrhunderten zeigt das Städtische Museum im Storchen in seiner aktuellen Sonderausstellung. Zur Eröffnung am Sonntag reiste auch Landrätin Christine Zitzmann an.

Sonneberg zu Gast im StorchenAber nicht nur Spielzeug aus Göppingens Partnerstadt Sonneberg wird gezeigt; auch markante Produkte aus anderen Orten werden getreu dem Titel der Sonderausstellung „Spielzeug aus Thüringen“ gezeigt. Als „Ausstellung in der Ausstellung“ sind zudem kostbare Puppen aus der Privatsammlung von Christiane Gräfnitz zu sehen.

„Spielzeug spiegelt die Welt im Kleinen wieder“ berichtete Reinhild Schneider, Leiterin des Deutschen Spielzeugmuseums in Sonneberg und damit Leihgeberin der meisten Ausstellungsstücke, über Geschichte und Geschichten der Spielwaren. Bereits 1703 werden aus Holz gefertigte Spielfiguren und 1735 Spielzeug als Handelsgut erwähnt. Zunächst geschnitzt oder gedrechselt, erweiterte sich die Materialpalette Stück für Stück. Als erstes fand Teig als plastische, formbare Masse Verwendung, war aber weder feuchtigkeitsresistent noch vor Nagetieren und Ungeziefer sicher. In der Ausstellung „Spielzeug in Thüringen“ sind in einem herausgehobenen Exponat Teile aus Teig erhalten. 1805 hielt Papiermaché als Werkmaterial Einzug in die Sonneberger Spielzeugherstellung, später folgten Metall- und Plastikspielzeug. Die Sonderausstellung im Storchen präsentiert Sonneberger Stücke aus allen Epochen. Tierfiguren und Docken (Puppen) des 18. und 19. Jahrhunderts sind ebenso zu sehen wie technisches Spielzeug aus dem 20. Jahrhundert. Darüber hinaus werden der Anker-Steinbaukasten aus Rudolstadt, Puppen aus Waltershausen oder Spielzeug aus Bad Kösen gezeigt. Eine Auswahl seltener und kostbarer Puppen von Christiane Gräfnitz rundet die Ausstellung ab. Einige von ihnen zieren Wachs- oder Porzellanköpfe. So eroberte der „Sonneberger Täufling“ mit einem wachsüberzogenen Papiermachékopf die Weltmärkte.

In dieser Kooperation zwischen dem Deutschen Spielzeugmuseum in Sonneberg und dem Städtischen Museum im Storchen in Göppingen sah Reinhild Schneider „einen ersten Brückenschlag zwischen den Spielzeugregionen Thüringen und Baden-Württemberg.“ Göppingens Museumsleiter Dr. Karl-Heinz Rueß nahm den Ball gerne auf und sagte eine Präsentation Göppinger Spielwaren in Sonneberg zu. Schließlich ist Spielzeug eines der verbindenden Elemente der im September 1990 geschlossenen Städtepartnerschaft zwischen Sonneberg und Göppingen. Das 25-jährige Jubiläum dieser Städtepartnerschaft würdigten in ihren Beiträgen Landrätin Christine Zitzmann, Oberbürgermeister Guido Till sowie Traudel Garg, Sprecherin des Arbeitskreises Göppingen in Sonneberg, die eine Grußbotschaft von Bürgermeisterin Sibylle Abel verlas. Ob Göppinger Straße in Sonneberg oder der in diesem Jahr umgestaltete und mit zwei bekletterbaren Sonneberger Reiterlein versehene Sonneberg-Platz in Göppingen – die Städtepartnerschaft ist in beiden Städten sichtbar. Für Christine Zitzmann, Begleiterin der Städtepartnerschaft seit der ersten Stunde, war es eine Herzensangelegenheit, zur Eröffnung der Ausstellung in die Hohenstaufenstadt zu kommen. “Wenn Göppingen ruft, muss ich kommen“, so die Landrätin. Sie verband ihr Grußwort mit einer werbenden Einladung für „ihr“ Museum, das vom Landkreis Sonneberg getragen wird: „Ich hoffe, diese Entführung in die wunderbare Welt des Thüringer Spielzeugs wird zu einem Besuch des Deutschen Spielzeugmuseums in Sonneberg anregen.“

Die Weihnachtsausstellung im Storchen hat Tradition, erinnerte Oberbürgermeister Guido Till: „Nach dreijähriger umbaubedingter Pause können wir in unserem renovierten Haus zum 52. Mal in der Adventszeit eine Ausstellung eröffnen, die in ihrer Thematik und Präsentation Jung und Alt zum Besuch einlädt.“ Seit dem Bestehen der Städtepartnerschaft gab es zwei Kooperationen mit dem Deutschen Spielzeugmuseum in Sonneberg, das in Deutschland nicht nur das älteste ist, sondern auch mit der Breite und Qualität seiner kultur- und technikgeschichtlichen Sammlungen einzigartig dasteht. Till zeigte sich erfreut, dass das Museum zum dritten Mal aus seinen Magazinen besondere Schätze ausgewählt hat, welche die Geschichte und Bandbreite der Spielzeugherstellung in Sonneberg und seinem Umland in den letzten 300 Jahren vorstellen. Auch der privaten Sammlerin und Puppenexpertin Christiane Gräfnitz aus Stuttgart, die vor 20 Jahren zum ersten Mal im Storchen Schätze aus ihrer Privatsammlung gezeigt hat, sprach das Stadtoberhaupt seinen Dank aus. Welche ungeahnte Wirkung die Städtepartnerschaft entfachen kann, zeigte Almut Vogel aus Stuttgart. Aufgrund eines ganzseitigen Artikels in der Stuttgarter Zeitung über die Verbindung zwischen Göppingen und Sonneberg entschloss sie sich, vier Käthe-Kruse-Puppen bereits zu Lebzeiten dem Deutschen Spielzeugmuseum zu überreichen.

Die Ausstellung „Spielzeug aus Thüringen“ ist bis zum 3. April 2016 dienstags bis samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr im Städtischen Museum im Storchen, Wühlestraße 36 zu sehen. Der Eintritt kostet 1,50 Euro, ermäßigt ein Euro; Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt. Führungen sind nach Anmeldung unter Telefon 07161 650-185 (Museum) oder 650-191 (Museumsverwaltung im Alten Kasten) sowie E-Mail museen@goeppingen.de auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

 

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Oberbürgermeister Guido Till begrüßte bei der Ausstellungseröffnung Peter und Reinhild Schneider, Christiane Gräfnitz, Landrätin Christine Zitzmann, Traudel Garg, Almut Vogel, Oberbürgermeister a. D. Hans Haller und Ilona Abel-Utz, Sprecherin des AK Sonneberg in Göppingen.

 

 

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