Hermann Färber, MdB, ruft Landwirte dazu auf, sich dem Markt zu stellen

Landwirt Hermann Färber, Mitglied der CDU, Mitglied des Bundestages und dort Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft sowie Vorsitzender des Kreisbauernverbandes war am Dienstag Gast des Business Lunch des BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands e.V.. Hier referierte er zum Thema „Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft in Deutschland“ und stellte sich den Fragen der zahlreich erschienenen Mitglieder.

Ein Thema, dass alle angeht, wusste schon der Repräsentant des BVMW im Landkreis Göppingen, Lothar Lehner in seiner Begrüßung. Er verwies auf die prekäre Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe, die nun wegen des Krieges in der Ukraine mit stark steigenden Kosten für Treibstoffe, Düngermittel, Pflanzenschutz und Futtermitteln um ihre Existenz fürchten. Zudem steigen laufend die Anforderungen an Landwirte im Bezug auf Umwelt- und Tierschutz.

Diesen Ball nahm Färber gleich auf. Die Landwirtschaft steht im Fokus unterschiedlicher Anforderungen. Für die Politik ist es zudem schwer, Lösungen für die eher bäuerliche Struktur im Süden der Republik aber auch für die Großbetriebe im Norden zu finden. Der gesellschaftliche Auftrag an die Landwirtschaft hat sich aber nicht verändert. Noch immer soll die Landwirtschaft die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen. Aber es gibt heute auch weitere Anforderungen wie die Pflege der Kulturlandschaft, Bereitstellung von Pflanzen für die Bioenergie, die Landwirtschaft soll dem Klimaschutz gerecht werden und auch für die Biodiversität und den Artenschutz sorgen. Und dann ist da noch der Tierschutz, der dafür sorgte, dass die Anforderungen an die Landwirtschaft teilweise jährlich neu definiert werden. Keine Kühe mehr im Anbindestall, kein Kastenstand für säugende Sauen, keine oder zumindest immer größer werden Käfige mehr für Legehennen. Das alles soll der Landwirt leisten und zudem immer noch billige Nahrungsmittel liefern. Denn entgegen den Forderungen der Verbraucher, so Färber, kauft er an der Ladentheke dann doch wieder die Sonderangebote. Aber all diese Forderungen zu erfüllen, machen zwangläufig die Nahrungsmittel teurer, dass muss auch der Verbraucher akzeptieren.

Rote Linien werden dann überschritten, wenn die Produktion der Nahrungsmittel in Drittländer mit niedrigeren Standards verlagert wird und trotzdem von deutschen Verbrauchern gekauft wird.

Färber fordert deshalb auch finanzielle Anreize für die Landwirtschaft, sich den Standards der Politik und des Handels zu unterwerfen. Investitionen werden auf 20 Jahre abgeschrieben. Standards müssen also langfristig eine Perspektive geben in denen sich Investitionen lohnen.

In der Landwirtschaft gibt es viele Zielkonflikte. So wird eine gute Fruchtfolge für die Bodenfruchtbarkeit und den Erhalt der Kulturlandschaft gefordert, aber für Körnerleguminosen gibt es in Deutschland kaum einen Markt. Zur Unkrautbekämpfung soll weniger Chemie eingesetzt werden, was aber bedeutet, dass man mehrmals den Boden hacken muss, was wieder zu einem höheren CO2-Ausstoß führt.

Kopfzerbrechen bereitet zudem, dass der Schlachtsektor von vier großen Konzernen dominiert wird. Gleiches trifft für den Handel zu. Auch hier bestimmen wenige den Preis. Für die Landwirte gibt es zwei Möglichkeiten zu produzieren: billig und in großen Massen für den globalen Markt, oder eine ausgesuchte Qualität zum höheren Preis für regionale Händler und für die Direktvermarktung.

Die Großbetriebe im Norden und Osten Deutschlands können nur für den Weltmarkt produzieren. Aber geraden den kleineren Betrieben in Süddeutschland steht die Möglichkeit, mehr Geld für bessere Qualität, zur Verfügung. Dazu muss der Landwirt wieder zum Unternehmer werden, forderte Färber, Verhandlungen mit Händlern und Verbrauchern muss aktiv und offensiv geführt werden.

Aber auch vom Handel und von den Verbrauchern fordert Färber ein Umdenken. Es kann nicht sein, dass 30 Prozent aller Lebensmitte in Deutschland weggeworfen werden. Das ist ein immenser ökologischer Schaden, der hier entsteht. Er hofft, diesen Wert in den nächsten Jahren zumindest halbieren zu können.

Eine Absage erteilt Färber der Herstellung von künstlich erzeugtem Fleisch. Aufgrund der hier nötigen hohen Investitionen werden diesen Markt nur wenige Konzerne bedienen können. Hier entsteht dann eine enorme Abhängigkeit, die unsere Grundversorgung gefährdet.

In der anschließenden Diskussion wurden dem passionierten Landwirt und Politiker viele Fragen gestellt, so dass sich die Versammlung von geplanten zwei Stunden auf dreieinhalb Stunden ausdehnte.

Auf eine Frage stellte Färber fest, dass sich der Beginn einer Ausbildung zum Landwirt im Süden Deutschland auch heute noch lohne. Hier gebe es genügend Perspektiven für unternehmerisch denkende Landwirte. Bei den Großbetrieben wird die Konzentration allerdings weitergehen. Auch setzt er sich dafür ein, die Verarbeitung von Lebensmittel zu regionalisieren und zu entbürokratisieren. Erst überzogene Vorschriften haben dafür gesorgt, dass Metzger nicht mehr selbst schlachten können.

Vor dem Hintergrund der zurzeit weithin steigenden Preise warf Färber die Frage auf, wofür der Mensch zukünftig sein Geld ausgeben will. Nahrung, Gesundheit, Wohnung, Auto? Muss es jedes Jahr der Fernurlaub sein?

Der Krieg in der Ukraine wird weitreichende Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung weltweit haben. In der Ukraine, der „Kornkammer Europas“, wird es in diesem Jahr wohl keine Ernte geben. Das wird zur Folge haben, dass weltweit Warenströme umgeleitet werden. Steigende Preise dürften vor allem in den ärmeren Ländern zu Hunger führen.

Die gefühlte Vollkaskomentalität der Verbraucher wird ein Ende haben, resümierte Färber zum Abschluss, wir werden uns wieder überlegen müssen, wofür wir unser Geld ausgeben. Und die Landwirtschaft muss wieder lernen, auf die Wünsche der Verbraucher einzugehen und den gerechten Preis auch einzufordern.

Joachim Abel

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