Mehr als „nur Bücherverbrennung“

Nunmehr zum zwölften Mal finden die vom Göppinger Schauspieler, Rezitator und Realisator Wolfgang Klein initiierten bundesweiten Lesungen »Bücher aus dem Feuer« am 10. Mai dieses Jahres statt. Vor 83 Jahren, wenige Wochen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurden Bücher von politisch und rassisch unerwünschten Schriftstellern und Wissenschaftlern in fast allen deutschen Universitätsstädten verbrannt.

Wolfgang Klein der literarische Animateur_ein KlassikerDarunter Autoren wie Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Erich Kästner, Irmgard Keun, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Erich Maria Remarque, Anna Seghers, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Arnold Zweig und Stefan Zweig.
In Göppingen hat der streitbare Künstler mit der Volkshochschule einen engagierten Veranstalter gefunden und mit Ilona Abel-Utz eine Vorleserin, die dieser Veranstaltung eine zusätzliche interessante Farbe verleiht. Hartmut Zeller war Garant für die musikalische Fach-Beratung und Werner Meyer übernahm diesen Part für die bildenden Künste. Klein, der auch in der politischen Bildung tätig ist, hat auf diese Weise das Thema „Bücherverbrennung“ diesmal noch erweitert und so heißt der Titel dieses interdisziplinären Kulturprojektes »entARTet«.

Kunst und Kultur waren in Deutschland seit 1933 nicht mehr autonom, sondern sie standen im Dienst von Staat, Volk und Rasse.

Auf die Bücherverbrennungen von 1933 und die Vertreibung und Inhaftierung kritischer Künstler folgte 1937 die Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“. In der Musik ließ sich „Zersetzung“ weniger leicht feststellen. Dennoch wurde im Mai 1938 bei den „Reichsmusiktagen“ in Düsseldorf eine Ausstellung „Entartete Musik“ gezeigt. Wie die Münchner Schau stellte sie „Undeutsches“ an den Pranger und stufte jüdische Operetten und Schlagerkomponisten, atonale Werke und den Jazz als „artfremd“ ein.
Friedrich Schillers Maxime: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“, Victor Hugos Satz: Die Freiheit beginnt dort, wo die Dummheit endet“ und auch das Zitat von Albert Camus: „Es gibt keine Freiheit ohne gegenseitiges Verständnis“, stehen für die Grundgedanken der Veranstaltung in Göppingen. Denn gerade derzeit ist es wichtig, Position zu beziehen für unsere freiheitliche Demokratie und die Stimme zu erheben gegen menschenverachtendes Denken und Handeln

Die „Macher“ dieses Projektes verstehen diesen „denk-würdigen“ Abend nicht als „rückwärts gerichtetes Gedenken“, sondern als „Be-Denk-Zeit“, die uns unsere Verantwortung für Gegenwart und Zukunft vor Augen halten soll.
Informationen zur bundesweiten Aktion, auch mit einem Archiv aus den vergangenen Jahren, finden Sie unter www.buecherlesung.de.

»entARTet« – ein denk-würdiger Abend am Tage der Bücherverbrennung
Dienstag, 10. Mai 2016, 19:30 Uhr, Volkshochschule, Vortragssaal,
Mörikestraße 16, 73033 Göppingen
Eintritt frei! – Wir bitten um eine Spende für EXIT-Deutschland
[EXIT-Deutschland ist eine Initiative, die Menschen hilft, die mit dem Rechtsextremismus brechen und sich ein neues Leben aufbauen wollen.]

 

 

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