82 Streuobst-Pädagoginnen und -Pädagogen bieten Unterricht auf der Streuobstwiese an – Feierliche Urkundenverleihung in der Kelter in Beuren

„Was Du mir sagst, das vergesse ich.

Was Du mir zeigst, daran erinnere ich mich.

Was Du mich tun lässt, das verstehe ich.“ (Konfuzius)

LK Göppingen_klEs war, als hätte Konfuzius zu seinen Lebzeiten 400 v. Christus bereits gewusst, dass es einmal Streuobst-Pädagogen geben wird. Denn er beschreibt so passend, was die frisch gebackenen Streuobst-Pädagogen im Vereinsgebiet des Schwäbischen Streuobstparadieses für eine besondere Aufgabe haben.

Über 80 Streuobst-Pädagogen schließen mit der feierlichen Urkundenübergabe ihre erfolgreiche Ausbildung ab.

Seit Februar wurden insgesamt 74 Streuobst-Pädagoginnen und –Pädagogen aus den Landkreisen Esslingen, Göppingen, Reutlingen und Tübingen ausgebildet und 8 „Obstler – Kulturlandschaftsführer Streuobstwiesen“ zu Streuobst-Pädagogen fortgebildet. In den Landkreisen Böblingen Und Zollernalbkreis wurden fanden bereits in den letzten Jahren schon mehrere Ausbildungsgänge statt, in Böblingen absolvierten ebenfalls 8 Streuobst-Pädagogen aus dem Vereinsgebiet ihre Ausbildung gemeinsam mit weiteren Interessenten aus ganz Süddeutschland.

Das Projekt, das vor vielen Jahren als kleines Pfänzchen im Zollernalbkreis und im Landkreis Böblingen entstand, ist somit zwischenzeitlich zu einem kräftigen jungen Baum herangewachsen: Streuobst-Pädagogen werden ausgebildet um mit Schulklassen eine Streuobstwiese im Jahresverlauf zu bewirtschaften und dort spielerisch zu lernen und zu erleben, ganz nach dem obenstehenden Motto von Konfuzius.

Seit Februar diesen Jahres absolvierten die begeisterten Auszubildenden in über 70 Unterrichtsstunden obstbaufachliche, naturkundliche und naturpädagogische Inhalte, die sowohl theoretisch als auch praktisch vermittelt wurden. „Damit haben die Streuobst-Pädagogen alles wichtige Handwerkszeug erhalten, um die Jüngsten unserer Gesellschaft für die Streuobstwiesen vor unserer Haustüre zu begeistern und Ihnen spielerisch Wissen rund um Bewirtschaftung, Artenvielfalt, Naturschutz, Ernte und Verwertung zu vermitteln“, erläutert Maria Schropp, die Geschäftsführerin des Vereins Schwäbisches Streuobstparadies e.V.

Die Ausbildung fand an verschiedenen Orten im Vereinsgebiet statt, beispielsweise im Freilichtmuseum Beuren, dem Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, dem Vogelschutzzentrum Mössingen, der Mosterei in Herrenberg-Mönchberg und im Haupt- und Landgestüt Marbach. 16 Referenten waren an der Ausbildung beteilgt und vermittelten Wissen zu ihren Fachgebieten wie Imkerei, Obstsorten, Fledermäuse oder Vogelkunde. „Nur durch das Zusammenwirken unserer Geschäftsstelle, der Ausbildungsleiterin Beate Holderied, den Landratsämtern und den Referenten konnten wir diese Herausforderung stemmen und so vielen Streuobst-Begeisterten die Ausbildung ermöglichen“, lobt der Vorsitzende des Streuobstparadieses, Mössingens Oberbürgermeister Michael Bulander die intensive Arbeit der letzten Monate.

In der vom Obst- und Gartenbauverein Beuren geschmückten Kelter erhielten die frisch gebackenen Streuobst-Pädagoginnen und -Pädagogen am Dienstag, den 8. Dezember 2015 ihre Urkunden und als Präsent eine Familientageskarte für das Freilichtmuseum und eine kleine Flasche Streuobst-Sekt. Dabei war den Streuobst-Pädagogen der Stolz und die Freude über die absolvierte Ausbildung und die bestandene theoretische und praktische Prüfung anzusehen.

Die Freude der frisch gebackenen Streuobst-Pädagogen war in der Beurener Kelter greifbar und eine Bilderschau von der Ausbildung zeigte, mit wie viel Begeisterung die Auszubildenden zu Streuobst-Pädagogen geworden sind. Passend zum Thema untermalten die „Heilige3zemmerner“, bei denen Streuobst-Pädagoge Herrmann Bächle aus dem Zollernalbkreis mitwirkt, die Veranstaltungen mit fetzigen Liedern rund um das Schwabenland und den Apfel. Die Einstimmung auf den Abend gab gekonnt Streuobst-Pädagogin und Märchenerzählerin Sigrid Maute mit einem unbekannten Märchen von Frau Holle, bei dem der Obst-Bezug natürlich auch nicht fehlte.

Landkreise und Kreissparkassen und ihre Stiftungen ermöglichen das Projekt für möglichst viele Schulklassen

Die Urkunden wurden von Vertretern der Kreissparkassen und der Landratsämter überreicht, die in diesem großen Projekt eine wichtige Aufgabe haben: Nur durch die Finanzmittel die seitens der Landratsämter und Kreissparkassen und ihren Stiftungen bereitgestellt werden, können ab Januar auch viele Schulklassen in den Genuss des Streuobst-Unterrichts kommen.

„Ab Januar gehen die Streuobst-Pädagogen in die Schulklassen und bewirtschaften mit den Kindern eine Streuobstwiese im Jahresverlauf. Von Spurensuche im Schnee, über Bäume schneiden und pflanzen, Kräuter kennenlernen und zubereiten, Insekten und Nützlinge bis hin zur Unterwuchsnutzung und als abschließendes Highlight die Ernte und Verwertung des Obstes im Herbst, verrichten die Kinder gemeinsam mit dem Streuobst-Pädagoge alle Arbeiten die auf der Streuobstwiese anfallen“, erläutert Maria Schropp. Im Vordergrund steht dabei stets das spielerische Lernen und Begreifen.

Für ihre Arbeit in den Schulen erhalten die Streuobst-Pädagogen eine Aufwandsentschädigung. Die Kosten dafür tragen zur Hälfte die Schulen und zur anderen Hälfte die Kreissparkassen und Landkreise und im Landkreis Tübingen das Landesförderprogramm PLENUM.  „Die Kreissparkassen und ihre Stiftungen in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Reutlingen und Zollernalbkreis stellen jährlich insgesamt 33.600 € zur Verfügung. Das Förderprogramm PLENUM im Landkreis Tübingen stellt 17.360 €. Von den Landratsämtern stehen 45.000 € zur Unterstützung der Schulen bereit. Mit Hilfe dieser Unterstützung können wir das Projekt flächendeckend für viele Schulen anbieten und schaffen Anreize, daran teilzunehmen“, sagt Bulander und freut sich über das klare Bekenntnis zu den Streuobstwiesen und der Bildung für Nachhaltige Entwicklung. „Herausragend ist dabei, dass es uns gelungen ist, dieses Projekt über die Grenzen der Landkreise hinaus gemeinsam zu verwirklichen, gemeinsam die Kreissparkassen als Sponsoren zu gewinnen und so ein schlagkräftiges Umweltbildungsprojekt auf den Weg bringen konnten“, sagt Schropp nicht ohne Stolz.

172 Schulklassen haben sich im Vereinsgebiet bereits angemeldet und freuen sich auf den Unterricht im Grünen der im neuen Jahr beginnt.

Schon seit den Sommerferien können sich Schulklassen, vorzugszweise die dritten Klassen der Grunschulen, für das Projekt anmelden. „Zwischenzeitlich haben sich im gesamten Vereinsgebiet schon 172 Schulklassen angemeldet“, berichtet Maria Schropp. „Das zeigt, dass das Angebot von den Schulen dankbar angenommen wird“, berichtet Maria Schropp und freut sich, dass nun nach den Schulen aus den Landkreisen Böblingen und Zollernalbkreis, die den Streuobst-Unterricht schon seit mehreren Jahren anbieten, zahlreiche Schulen in den anderen Ecken des Streuobstparadieses dazu gekommen sind. Anmeldungen nehmen die Landratsämter weiterhin entgegen.

Weitere Infos zum Streuobst-Unterricht gibt es auf der Internetseite des Vereins unter www.streuobstparadies.de

Foto (Schwäbisches Streuobstparadies e.V.) Die neuen Pädagogen aus dem Landkreis Göppingen

 

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