Kloster Lorch 24. Juni 1499: Johannes Brenz, „Luthers Mann in Süddeutschland“, wird geboren

Johannes Brenz ist eine der wichtigsten Köpfe der württembergischen Geschichte. In Kloster Lorch richtete er eine Klosterschule ein – für wenige Jahrzehnte eine der bedeutendsten Bildungseinrichtungen Württembergs. Am 24. Juni 1499, genau vor 522 Jahren, wurde der Reformator geboren.

Luthers Mann in Süddeutschland

Reformator, Berater des Herzogs und Architekt der evangelischen Landeskirche: Johannes Brenz war eine der wichtigsten Personen der württembergischen Geschichte. Auf ihn geht die Klosterschule Lorch zurück – für wenige Jahrzehnte eine der bedeutendsten Bildungseinrichtungen des Herzogtums Württemberg. Am 24. Juni 1499, vor 522 Jahren, wurde Johannes Brenz als Sohn des Beamten Martin Hess, Prentz genannt, in Weil der Stadt geboren. Mit 15 Jahren, einem damals durchaus üblichen Alter, begann er ein Studium an der Universität Heidelberg. Im April 1518, ein Jahr nach dem „Thesenanschlag“ und dem Beginn der Reformation, lernte Brenz den damals schon berühmten Reformator Martin Luther in Heidelberg kennen. Er fing Feuer für die neuen reformatorischen Lehren. Die revolutionären Ideen des Wittenberger Professors Luther sollten sein weiteres Leben, Denken und Handeln prägen: So sehr, dass Brenz als „Luthers Mann in Süddeutschland“ gilt.

Brenz als Reformator
1522 wurde Brenz Prediger in der Reichsstadt Schwäbisch Hall und setzte sich dort erfolgreich für die Reformation ein: 1527 entwarf er eine umfangreiche Kirchenordnung für Schwäbisch Hall. Die Reichsstadt war damit eine der ersten Städte, die ihre religiösen Verhältnisse grundlegend neu regelte. Die Ordnung legte unter anderem fest, wie Taufe und Abendmahl im reformatorischen Sinn verstanden und gehalten werden sollen. Zudem schrieb Brenz einen der wichtigsten Katechismen der Reformationszeit. Ein Katechismus ist ein christliches Lehrbuch, das ganz pädagogisch in Fragen und Antworten angelegt ist. Nicht zuletzt war Brenz der Mitautor des Augsburger Bekenntnisses von 1530, der zentralen und bis heute noch gültigen Glaubensschrift der lutherischen Kirchen Deutschlands.

Architekt der Württembergischen Landeskirche
Durch seine umfangreichen Tätigkeiten hatte Brenz auch Kontakt nach Württemberg. Er wurde allmählich zum wichtigsten theologischen Ratgeber von Herzog Christoph von Württemberg. Der Herzog ernannte Brenz 1553 zum Stiftspropst in Stuttgart; das war das wichtigste kirchliche Amt des Herzogtums. Brenz war fortan für die Ordnung und Verwaltung der gesamten württembergischen Kirche zuständig. Durch die „Große Württembergische Kirchenordnung“ von 1559 gab er der Reformation in Württemberg eine feste Form – ein wahrer Meilenstein. Die Große Kirchenordnung klärte die organisatorischen und theologischen Grundfragen im Herzogtum. Die Schrift wurde zum Vorbild für zahlreiche lutherische Kirchenordnungen – sogar über Deutschland hinaus. So orientierte sich die schwedische Kirchenordnung von 1571 am württembergischen Vorbild. Johannes Brenz war da bereits tot: Er starb am 11. September 1570 in Stuttgart. In der Stuttgarter Stiftskirche befindet sich auch sein Epitaph, das Erinnerungsmal an das Grab des Reformators.

Die Zukunft der Klöster

Als Stiftspropst war Brenz für die Verwaltung der Klöster zuständig. Der württembergische Staat hatte während der Reformation Besitz von ihnen ergriffen. Was sollte mit den Klöstern geschehen? Durch die Reformation gab es keine Mönche mehr – der geistliche Stand war für die evangelischen Christen abgeschafft. Brenz fasste den Plan, dass aus den Klöstern Schulen für die zukünftigen evangelischen Pfarrer werden sollten. Zusammen mit Ambrosius Blarer, einem ehemaligen Mönch aus dem Schwarzwaldkloster Alpirsbach, brachte er im Jahr 1556 diese Neuordnung auf den Weg.

Lorch erhält eine Klosterschule

In Kloster Lorch und in den anderen Klosterschulen sollten nun „gottsförchtig und glert leutt, so der gemeinen christlichen Kirchen dienstlich und nützlich sein mögen, aufferzogen werden“. Die Schüler wurden ausführlich in der Bibel unterrichtet, damit sie „der kirchen nit allein mit beten …, sonnder auch mit leeren und predigen dienen kündten“. Und die alten, katholischen Mönche? Sofern sie ihr Kloster nicht bereits verlassen hatten, wartete man nun auf ihr „absterben“. In manchen Klöstern gab es daher einen fließenden Übergang zwischen dem alten Klosterleben der Mönche und der evangelischen Klosterschule ‒ auch in Lorch gab es ein Nebeneinander von katholischen Mönchen und protestantischen Klosterschülern. Als Abt Benedikt Rebstock 1563 starb, entschieden sich die verbliebenen drei Mönche fortzugehen. Gegen eine Abfindung verzichteten sie auf alle Ansprüche. Das Kloster gehörte nun ganz den protestantischen Klosterschülern.

Das Ende der Klosterschule Lorch

Die Klosterschulen waren eine württembergische Erfolgsgeschichte. Aus ihnen gingen nicht nur große Theologen, sondern auch sprachgewaltige Dichter und bedeutende Denker hervor. Zu den bekanntesten Persönlichkeiten zählen der Astronom Johannes Kepler sowie der Dichter und Autor Hermann Hesse, die im Kloster Maulbronn die Schulbank drückten. Die Klosterschule Lorch schloss bereits 1583 aus Kostengründen wieder ihre Pforten. Die Lorcher Schüler verteilte man auf andere Klosterschulen. Für die Klosteranlage begannen Jahrhunderte des Verfalls. Erst im 19. Jahrhundert besann man sich allmählich auf das historische Erbe: Die Restaurierung begann. Das Benediktinerkloster Lorch, das um 1100 von dem Stauferherzog Friedrich I. als Grablege der Herrscherfamilie gegründet worden war, ist heute mit seiner Geschichte ein eindrucksvoller authentischer Ort und ein beliebtes Ausflugsziel.

Foto: Johannes Brenz, Darstellung vor 1654 (Quelle: Universitätsbibliothek Tübingen (UBT), Inventar-Nr. / Signatur: Portraitsammlung (PA))

Service und Information

Aktuell ist das Kloster Lorch gemäß der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg geschlossen.

www.klosterlorch.de

www.schloesser-und-gaerten.de

 

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