Sonntagsgedanken:…… ein bisschen Senf dazu?

Schon als kleines Kind, wurde ich von der Oma auf den Wochenmarkt mitgenommen. Es war herrlich. Die Düfte und Gerüche, das viele Obst und Gemüse, Melonen und Trauben, lautstarkes feilschen der Menschen, die vielen unterschiedlichen Sprachen. Es hat mich schon immer angezogen. Gegen Mittag gab es ein oder zwei gegrillte Hackfleischröllchen mit Senf zum Essen. Es schmeckte so lecker! Dabei weiß ich bis heute nicht so genau, was mir am besten mundete: Das Fleisch oder der Senf? Auf keinen Fall darf seither der Senf bei mir fehlen.

Im heutigen Evangelium, erfährt bei Jesus dass Senfkorn eine besondere Beachtung. Jesu Vergleich zwischen Klein und Groß, lässt mich immer aufhorchen. „Mit dem Reich Gottes ist es, wie mit dem kleinsten aller Samenkörner, das aufgegangen, sich zu einem großen Strauch entwickelt, in dem die Vögel des Himmels nisten können.“

Säen, aufgehen, wachsen, fruchtbringen, nahrhaft sein, beleben, beschützen, Heimat geben. Zusammengenommen steht dies für das Reich Gottes. Ganz einfach. So einfach, wie das Leben Jesu. Viele denken, wenn überhaupt noch, dieses Reich in eine unbekannte ferne Zukunft. In eine Zeit, die erst noch kommen soll. Die mit unserem Leben noch nichts gemeinsam hat. Doch es will heute mitten unter uns aufgehen! Unser Leben lebenswerter, erfüllter, froher machen. Nicht – so wird es einmal sein. Sondern – so ist es jetzt schon! „Mit mir ist das Reich Gottes angebrochen.“ sagt Jesus.

Ich gebe zu, es gibt Stunden, da scheint unser Leben sehr weit weg davon. Wenn wir krank, ausgelaugt, müde, traurig und ohne Antrieb daher kommen, wenn es Streit gibt, wenn uns Sorgen quälen, unsere Zukunft gefährdet ist. Doch gerade dann kann uns dieses Bild helfen. Im darüber nachdenken, was wir selber tun können, um wieder hörend, sehend, gehend, sprechend zu sein? Vielleicht entdecken wir dann, dass wir gerade gelebt werden, statt zu leben? Dann wird es Zeit aufzubrechen. Aus selbstgemachten Gefängnissen, oder aus der Unterdrückung und Versklavung durch andere. „Zur Freiheit befreit, hat uns Jesus“, sagt der Apostel Paulus.  Darauf wollen wir achten, dass wir uns nicht selber wieder zu Sklaven machen, noch anderen gestatten es zu tun. Auch nicht so manchen religiösen Besserwissern. Ein kleiner freiheitlicher Schritt. Er ist der Beginn eines geführten Weges. Unser je eigener, im Reich Gottes, mit Jesus an unserer Seite. Einen, der uns zu Geschwistern macht. Sonntagszeit ist immer auch Augen- und Herzöffnerzeit!

josef putz, diakon im zivilberuf, seelsorgeeinheit „profectio“

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