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Sonntagsgedanken zum Volkstrauertag

An diesem Wochenende wird auf vielen Friedhöfen der Opfer der beiden Kriege gedacht. Gedenktafeln erinnern an die Gefallenen. Die meist jungen Männer gehörten zu unseren Städten und Dörfern, sie haben hier in den Straßen gespielt, gelacht, und so manchen Streich ausgeheckt, so wie unsere Kinder heute. Sie haben geheiratet und Familien gegründet.

Das Leben war normal und selbstverständlich, bis der Krieg brutal in ihr Leben und in ihre Familien eingriff.

Nur wenige unter uns haben noch Gesichter vor Augen, nur wenige wissen, was diese Männer umgetrieben hat, bevor sie sich in Uniform auf den Weg gemacht haben. Ihre Namen stehen stellvertretend für alle Opfer der beiden Kriege. Für uns, die wir die Kriege nur aus Geschichten kennen, ist es schwer nachzuvollziehen, was Krieg für Menschen bedeutet. Wenn allerdings ältere Menschen von ihren Erinnerungen erzählen, merkt man schnell, wie die Geschichten nach all den Jahren noch lebendig vor Augen stehen. Die Trauer und der Schmerz verbinden Menschen über Grenzen hinweg.
Dabei geht es nicht nur um Rückschau. Erinnern will dem Leben im hier und jetzt dienen. Das Gedenken lädt uns ein, unsere Zeit anders anzuschauen.

Nach dem Krieg sind die Völker Europas zusammengewachsen. Das ist ein hohes Gut, und die Arbeit für Frieden und Versöhnung, die in den letzten Jahrzehnten geleistet wurde, ist nicht zu unterschätzen.

In den letzten Monaten wurde manches davon in der Öffentlichkeit in Frage gestellt. Ansichten und Ideen, die bis vor wenigen Jahren nur an schlecht beleuchteten Stammtischen ausgetauscht wurden, werden selbstbewusst vor laufenden Fernsehkameras gesagt.
Plötzlich werden wieder nationalistische Parolen skandiert, die ungute Gefühle hervorrufen.

Doch die Namen der Gefallenen mahnen uns, solche Umtriebe nicht einfach so geschehen zu lassen. Man darf den Scharfmachern nicht das Feld überlassen, konsequent muss man immer wieder die Botschaft des Friedens formulieren.

Wir wollen die Probleme der Zeit nicht gegeneinander, sondern miteinander lösen. Wir wollen in gemeinsamen Gesprächen darauf hinarbeiten, dass die Würde jedes Menschen geachtet wird.

Nur so können die blutigen Konflikte unserer Tage Stück für Stück bearbeitet werden. Nur so kann Frieden dauerhaft gesichert werden. Hier sind wir als Christen gefragt unsere Botschaft des Friedens und der Versöhnung zu leben und einzubringen. „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden“ (Römer 12,18) gibt uns der Apostel Paulus mit auf den Weg.

Pfarrer Gerhard Steinbach

Pfarramt Bartenbach

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