«

»

Beitrag drucken

Sonntagsgedanken: Gott ist kein Kaugummiautomat

Kennen Sie Kaugummiautomaten? Als wir Kind waren, spielten sie für uns eine große Rolle. Falls man ein 10-Pfennig-Stück gefunden hatte, zog es einen mit großer Erwartung zum Kaugummiautomaten. Das war eine einfache und zugleich tolle Sache: Oben 10 Pfennige reingesteckt, zweimal den Drehknopf gedreht und schon hatte man drei oder vier Kaugummikugeln in seiner Hand. Lecker! Meist war man zu zweit oder dritt, so dass sich die Kaugummis gut teilen und gemeinsam genießen ließen.

Ärgerlich war es nur, wenn man seine 10 Pfennige in den Geldschlitz steckte, den Knopf gedreht hatte, und keine Kaugummis in den Ausgabeschacht gekullert waren. Das war eine echte Pleite!

In vielen Vorstellungen wird Gott einem Kaugummiautomaten gleichgesetzt. Oben wirft man das Gebet rein, und unten kommt die Erfüllung des Gebetswunsches heraus.

Manchmal bin ich verzweifelt, weil solche Gottesvorstellungen noch immer hoch im Kurs stehen. Durch viele fromme Fertigkeiten wird an diesem Denken der „Automaten-Funktion“ Gottes immer noch festgehalten. Oben Gebet, Fasten, fromme Handlungen rein – unten soll endlich das gewünschte Ergebnis zu Tage treten. Meist eine echt Pleite!

Denn Gott ist kein „Wünsche-Erfüller“. Wer die Texte der Bibel zum Thema Beten ernst nimmt, und nicht wörtlich, der entdeckt einen großen Schatz: Gott ist an meinem Leben interessiert, er will wissen, was mich umtreibt. Vor ihm brauche ich keine Tabus zu haben. Und etwas viel Größeres, als die Erfüllung meiner situativen Wünsche, schenkt er mir: Er geht mit mir in dieser Austauschbeziehung durch Dick und Dünn. Jede Situation in meinem Leben kann ich mit ihm teilen. Im Gebet höre ich und rede ich. Ich höre auf seinen Trost. Er hat in Jesus Christus gezeigt, wie weit seine Liebe geht: So weit, dass Gott sich lieber töten lässt, als seine Liebe zu Ihnen und mir aufzugeben. Da werden meine Wünsche klein, und mein Gebet klingt womöglich so: „Danke, lieber Vater, dass ich in Dir geborgen bin und dass Du immer mit mir gehst – egal wohin…“

Deshalb bin ich froh, dass Gott kein Kaugummiautomat ist, der nur meine Wünsche erfüllt. Denn er gibt mir Menschen an die Seite, die mich begleiten, mich beraten und auch tragen. Freunde, die mit mir gehen. Und auch dann, wenn keiner mehr da ist, ist Gott für mich DER Partner in meinem Leben, der so viel Freund, Tröster, Vater und Mutter ist, dass alle Lebensbedürfnisse in der Beziehung zu ihm geborgen sind.

 

Pastor Hans Martin Hoyer,

Evangelisch-methodistische Kirche,

Friedenskirche Göppingen

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://filstalexpress.de/filstalexpress/6830/

Kommentar verfassen