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Sonntagsgedanken: Unterwegs zum Ziel

Waren Sie einmal in einer fremden Stadt mit einem Stadtführer unterwegs? Sicher geführt haben Sie Neues entdeckt und sind dem gefolgt, der Kenner des Ortes und des Weges gewesen ist. Sie kamen an das Ziel und Ende der Tour.

Vielleicht engagieren Sie sich in einem Verein oder einer Interessensgruppe. Auch wenn jede Stimme gleich zählt, gibt es Personen, denen man eine „Führungsposition“ zutraut, denen man gerne folgt und ein Ergebnis erzielt.

In diesen Tagen werden Namen genannt, von Menschen, die politisch führen sollen. Den einen traue ich es zu, schließe mich ihrer Meinung an, bin sicher, dass ich mich ihrer Zielvorstellung anschließen kann.  Bei anderen habe ich meine Zweifel, deren Meinung kann ich nicht teilen, denen will ich nicht folgen.

Neulich habe ich auf der Heckscheibe eines Autos gelesen: „manche führen – manche folgen“. Die Worte brachten mich ins Nachdenken und beschäftigen mich immer noch. Ich überlegte, wer folgt wem? Wer führt? Wer folgt? Folge ich jetzt dem Auto, das vor mir fährt – willenlos und blind? Nein, natürlich nicht.

Führen und Führen lassen – Folgen und Folgen lassen. Wie ist das mit den Folgen des Folgens und die Folgen des Führens? Die Begriffe haben in Deutschland eine durchaus ambivalente Deutungsgeschichte. Dabei ist Führen und geführt werden nicht von Grund auf verwerflich. Manchmal ist es sogar lebensnotwendig, wenn eine Wegkennerin oder Führer mich „an der Hand nimmt“ und in der Situation begleitet.

Wer führt hat Verantwortung und muss das Ziel kennen. Wer führt muss die Gefahren des Weges kennen oder einschätzen können. Wer führt, muss vertrauenswürdig sein und andere nicht in die Irre leiten.

Wer folgt hat Verantwortung und muss mit wachen Sinnen bei der Sache sein. Wer folgt darf nicht blindlings Schritt für Schritt mitgehen. Der Blick auf den Weg und das Ziel darf nicht verlorengehen.

Auch in Sachen Glauben kann und muss jeder für sich Verantwortung übernehmen. Jede und jeder muss entscheiden, wie sie und er es mit Führen und dem Führenlassen hält.

Ich lass mich gerne von Gott führen, durch den Tag, die Woche und das Leben, in dem ich bete: „Führe mich o Herr und leite meinen Gang nach deinem Wort, sei und bleibe du auch heute, mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als bei dir allein, kann ich recht bewahret sein.“ Ich folge seiner Führung und bin sicher, dass ich ans Ziel und Ende der Tour kommen werde.

Christoph Alber, Diakon Evangelische Kirche

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