Sonntagsgedanken: Hier und Jetzt – zärtlich sein

Immer noch feiern wir Ostern – am dritten Ostersonntag. Zwar ist schon längst wieder Alltag geworden, in der Kirche ist aber noch alles festlich geschmückt. Gut sichtbar steht hier die Osterkerze mit ihrer Botschaft: Jesus ist auferstanden, er lebt! Es ist nicht selbstverständlich und einfach, das österliche Geschehen anzunehmen, an den Auferstandenen zu glauben und dann noch dies in das reale Leben zu integrieren und fruchtbar zu machen. Davon spricht auch das Lukasevangelium im LK 24,35-48, das am Sonntag in den katholischen Kirchen gelesen wird. Jesus selbst tritt in die Mitte der Jünger und man könnte meinen, dass nun alles wieder gut sei. Aber nein. Statt Frieden ist Entsetzen vorhanden und wieder müssen die Augen für die neue Wirklichkeit Christi geöffnet werden. Da, wo Gottes Wirklichkeit in unsere Welt einbricht, versagen unsere begrenzten Ausdrucksformen. Er bricht dabei im Hier und Jetzt ein, denn er begegnet unmittelbar in der Gegenwart, auch uns.

OsterkerzeAm Einkehrtag unserer Gemeinden zur Vorbereitung auf Ostern haben wir uns die Frage gestellt: Wenn ich einen Wunsch frei hätte, Hier und Jetzt, was würde ich mir konkret wünschen? Eine Teilnehmerin nannte in der Runde: Ich wünsche mir Zärtlichkeit. Ein Wunsch, der auch von Papst Franziskus in seinen Botschaften immer wieder aufgegriffen wird, indem er davon spricht, dass die Welt von heute so sehr Zärtlichkeit brauche. Nicht morgen, sondern hier und jetzt, in der Gegenwart.

An Jesus fasziniert, dass er immer ganz präsent war. Es ging ihm um den Augenblick, den er gerade lebte, und um die Menschen, die gerade vor ihm standen. Und immer wieder wird in diesen Begegnungen die Zärtlichkeit Gottes in seiner Zuwendung spürbar. Jesus selbst ist Gottes Offenbarung der Zärtlichkeit. Sein zärtlicher Umgang zur damaligen Zeit mit den Randgruppen und Ausgestoßenen der Gesellschaft zeigen, dass Gott den Menschen zärtlich-liebevoll zugetan ist.

Zärtlichkeit ist eine menschliche Grundhaltung. Zärtlichkeit und Güte sind keine Zeichen von Schwäche und Verzweiflung, sondern Ausdruck von Stärke und Entschlossenheit, von Besorgtheit und Behutsamkeit. Wenn ich es immer mehr versuche, auf Alltägliches mit einem zärtlichen Blick zu schauen, kann Veränderung stattfinden, in meinem Reden, im Tun und Denken.

Wir feiern die Osterzeit 50 Tage lang – auch deshalb, dass wir die Botschaft Jesus Stück für Stück verstehen lernen. Und dort Wirklichkeit im zärtlichen Umgang werden lassen, wo wir gerade stehen: Bei der Arbeit, in der Familie, in jeder Begegnung – mit Gott, den Menschen, mit mir selbst, im Hier und Jetzt.

 

Bildunterschrift: Die diesjährige Osterkerze in der Kirchengemeinde Christkönig, Zeichen für Christus das Licht, Zeichen der Zärtlichkeit Gottes.

 

Norbert Köngeter, Stadtdiakon Göppingen

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