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Sonntagsgedanken: Magsch du mi no?

Facebook hat inzwischen weltweit mehr „Mitglieder“ als die katholische und evangelische Kirche zusammengenommen: 1,9 Milliarden Nutzer. Das ist erstaunlich. Da kann man von explosionsartigem Wachstum sprechen. Facebook und andere soziale Medien wie WhatsApp werden meist genutzt um Bilder, Videos, Meinungen und Erfahrungen zu teilen und um soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen.

Sehr gut kann ich mich erinnern, als eine unserer Töchter, nachdem ich zu streng mit ihr war, mich unvermittelt fragte: „Magsch du mi no?“, ein für mich eindrückliches und unvergessliches Erlebnis. Mir wurde deutlich, wie klar und unverschleiert sie ausgesprochen hatte, was uns alle bewegt: Werde ich geliebt? Bin ich für jemanden wichtig? Werde ich wahrgenommen?

Ich glaube die sozialen Medien werden auch deshalb so genutzt, weil uns die Zugehörigkeit zu andern so wichtig ist. Wir wollen wahrgenommen, geliebt und geachtet werden. Deshalb erzählen wir von uns. Und am schönsten ist es, wenn wir unsere Empfindungen und Erfahrungen in den Geschichten anderer entdecken und gelungen ausgedrückt finden. So entsteht ein tiefes Gefühl von Zugehörigkeit.

Indem wir Geschichten erzählen, schaffen wir nicht nur ein Gefühl von Zugehörigkeit, sondern wollen auch Verstehbarkeit und Bedeutung schaffen. Sicherlich kennen sie auch Situationen in denen plötzlich etwas geschieht, was unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Jemand hupt einen an und man weiß nicht warum. Dann fängt unser Verstand an, eine schlüssige Erklärung zu finden, und erst dann, wenn wir eine überzeugende Erklärung gefunden haben, sind wir zufrieden. Wir brauchen eine glaubwürdige Geschichte die uns sagt, warum wir z.B. an gehupt wurden. Wir brauchen nicht nur „gute Geschichten“ für das, was um uns herum geschieht, sondern auch für uns selbst. Wir wollen nicht einfach nur da sein, sondern einen Sinn und eine Bedeutung haben. Wir brauchen Gründe warum wir sind und für was es uns gibt. Wir brauchen Motive für das, was wir tun.

Jesus erzählte gerne Geschichten. Er baute in den Geschichten eine neue Welt auf: Eine Welt, in der niemand alleingelassen wird, in der jeder wichtig und bedeutungsvoll ist und in der jeder dazugehört. Eine Welt, in der wir alle miteinander verbunden sind. Er hat uns ausdrücklich versprochen, dass er uns nicht als Waisen zurückgelassen wird. Ja, dass er uns einen Anwalt schickt: seinen Geist, der in uns, hinter uns und für uns da ist. Der uns hilft unsere wichtigen Aufgaben in dieser Welt zu erkennen und zu erfüllen. Und der uns, wenn wir ihn fragen, „Magsch du mi no“ sagt: „Ich mag dich mehr, als du dir vorstellen kannst.“

So möchte ich die Welt verstehen! Und Sie?

Josef Priel

Gemeindereferent Deggingen Bad Ditzenbach

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