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Sonntagsgedanken zum Sonntag Kantate, 14. Mai 2017

Für die Schlaflosen

Dreh ich mich durch die Nacht,

denk ich mich weit hinaus.

Vom Turm der Glocken Ton

spricht deinen Namen aus.

 

Dein Name füllt die Nacht,

er segnet Mensch und Tier.

Wie kannst du so weit sein,

und doch so tief in mir.

 

Schlägst tief in meiner Brust,

schlägst draußen in der Welt

den ruhigen vollen Ton,

der mich und alles hält.

(c) F.Dehlinger 3/17

 

Viele drehen nachts sich immer nochmal rum. Je älter, desto mehr. Nachts denkt man nicht geradeaus. Es geht sprunghaft. Es geht im Kreis. Nachts fehlt dem Verstand das Licht. Keiner passt auf; die Sorgen huschen durchs Haus.

Neulich sprach ein Nachbar mich an: Die Glocken in der Nacht! 28 Töne allein um Mitternacht, 4 und 12 und 12. Ob das sein muss? – Mir, und ich hoffe, anderen auch, mir geben die nächtlichen Glocken Trost.

In Psalm 42 spricht der Beter von seiner Schlaflosigkeit: „Am Tage sendet der Herr seine Güte, und des Nachts singe ich zu ihm und bete zu dem Gotte meines Lebens.“ Im Psalm 42 ist nur wenig von Gottes Güte zu finden.  Der Beter oder die Beterin ist voller Klage und Sehnen: „Gott, warum hast du mich vergessen? Warum muss ich so traurig gehen? Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht.“ – Dennoch dann tägliche Güte. Dennoch dann „des Nachts singe ich zu ihm.“  Ja! Gut, wer nachts ein Lied hat und ein Gebet! Gut, wers auswendig gelernt hat oder auswendig lernt, so dass es auch im Schlafzimmerdunkel geht: „So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder“ und „Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude“. Oder Gerhard Tersteegens „Nun schläfet man; und wer nicht schlafen kann, der bete mit mir an den großen Namen“. Oder „Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.“ Oder Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag“. – Und gut, wo bei den Schlaflosen das Gesangbuch auf dem Nachttisch liegt, damit als letztes vor dem Löschen des Lichts die Seele noch ein Lied in die Nacht nimmt oder einen Psalm. Etwa – s.o. – Evang. Gesangbuch 482/Gotteslob 93; EG 477/GL 101; EG 480; EG 628/GL 841; EG 541/GL 775. Vielleicht kann das Sich-üben im nächtlichen Gebet das eine oder andere Schlafmittel aus der Apotheke erübrigen.

Und dann immer wieder nachts von Ferne der Glockenton.  Die Glocke lockt zum Gebet. Dass einer nicht allein mit sich ist, wenn ihm in der Nacht die Welt gerade so klein oder groß ist wie sein Glaube. Dass eine Halt findet, wenn die Gedanken springen und die Sorgen kreisen. Die Glocken sprechen von dem, der unsere Zeit in seinen Händen hält.

„Des Nachts singe ich zu ihm und bete zu dem Gotte meines Lebens.“ Die Nacht ist eine gute Zeit zum Beten und zum inneren Singen. Die Nacht hat auch kostbare Klarheiten und Gedanken! Sie ist auch Zeit, in der wir Gott besser hören. – Wenn zu den Worten an den Gott meines Lebens noch Töne und eine Melodie kommen, kann mit dem inneren Singen auch der Atem und der Puls ruhig werden und das Lied uns hinübergleiten lassen zum Schlaf.

Ihr

Pfr. Frieder Dehlinger
Evang. Christuskirchengemeinde Eislingen-Ottenbach

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