Sonntagsgedanken: Kuba

„Che Guevara“ und „Guantanamera“ sind die Lieblingslieder der Straßenmusiker in Havanna und Trinidad, Kuba. Folgt man einem Ochsenkarren ein paar Straßenecken, trifft man eine Band, die zum Tanz aufspielt: Touristen tanzen Salsa, junge Männer mit ihren Großmüttern, Kinder, Frauen in wunderschönen Kleidern.

Mechthild FrizMojito, ein Cocktail aus hellem, kubanischem Rum darf nicht fehlen. Zuhause erzählt man vom karibischen Gefühl ohne jede Hektik, von der Freude der Kubaner am Leben und am Zusammenhalt der Familien. Und man fühlt sich wohl in Kuba, wo die Menschen Meister der Improvisation sind, denn Pannen sind an der Tagesordnung und Ersatzteile fehlen überall. Dafür freut man sich an den kleinen Dingen. Selbst schweizerische Gründlichkeit kann eine gelungene Beziehung zur kubanischen Lebensfreude eingehen: Auf der Hochzeit seines Freundes, so erzählt man sich, zu der ein Schweizer nach Kuba eingeladen war, habe dieser sich in eine Kubanerin verliebt. So sei die Auswanderung nach Kuba nur noch eine Formsache gewesen. Jetzt sei er stolzer Besitzer eines wunderschönen Particulares (Privatzimmer). Europäisch-westlicher Arbeitseifer und karibisches Gefühl muss kein Widerspruch bleiben. Lieben aber wird man Kuba vor allem wegen der Herzlichkeit seiner Menschen, aber auch weil die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, wo Gebäude und Möbel wie aus einer anderen Zeit aussehen: Kubas kolonialer Charme.

Wer mit etwas schmalem Geldbeutel reicht, dem sollten Reis, Avocado und Bohnen und ein Stück Fleisch mehr als einen Tag lang schmecken. Etwas Besonderes für Touristen sind die „Particulares“, die Zimmer, die inzwischen privat an Touristen vermietet werden dürfen und wo man während seines Aufenthaltes meist alle Familienmitglieder kennen lernt. Traumhafte Landschaften lernt man mit einem „Cowboy“ bei Pferdeausflügen kennen: es geht vorbei an Tabakplantagen und Feldern, die mit Ochsengespannen gepflügt werden. Von der „schönsten Insel, die Menschenaugen jemals erblickten“ schwärmte Christoph Kolumbus, als er 1492 im heutigen Kuba an Land ging.

Kuba sorgt für seine Einwohner: Grundnahrungsmittel werden in speziellen Läden vom Staat vergünstigt gegen Kubazugeteilte Marken ausgegeben. Die Kinder sind verpflichtet, zur Schule zu gehen, die vom englischen Schulsystem mit Schuluniform geprägt sind. Dabei ist die Krankenversorgung in ganz Kuba für alle Menschen gesichert. Aber auch das ist Alltag: regelmäßige Stromausfälle, Schlangen vor Internet-Shops, Mangel an USB-Sticks, Kugelschreibern und Feuerzeugen; während Auslandsreisen für Kubaner finanziell fast unmöglich sind.

Aus Kuba kommen im Jahr 2016 die Texte, Lieder und Gebete für den Weltgebetstag. Kuba steht im Mittelpunkt, wenn christliche Gemeinden rund um den Erdball Weltgebetstag feiern. Mit dem Jesus-Wort: „Lasst die Kinder zu mir kommen!“ bekräftigen die kubanischen Frauen das gute Zusammenleben aller Generationen, wie es immer noch gelebt wird; das aber zunehmend als Herausforderung begriffen wird: denn viele junge Menschen kehren auf der Suche nach neuen beruflichen und persönlichen Perspektiven ihrem Heimatland den Rücken.

Gottesdienst am Freitag, 04. März, 19.30 Uhr in St. Josef, Göppingen.

 

Pfarrerin Mechthild Friz, Reuschgemeinde Göppingen

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