Sonntagsgedanken: Karfreitag

Karfreitag erinnert an das schreckliche Leiden und Sterben Jesu. Für viele Christ*innen ist dies ein besonderer religiöser Feiertag, der deshalb gesellschaftlich geschützt ist. Andere Menschen stören sich an den Einschränkungen. Für sie ist dies ein freier Tag wie andere zur freien Verfügung. Teilweise stehen sich beide Gruppen unversöhnlich gegenüber. Es ist jedoch nicht im Sinne Jesu, sich über die Bedeutung seines Leidens zu streiten. Ihm ging es nicht um seine Person, sondern um das große Ganze, um das Leben für alle und alles.

Und so frage ich: Was könnte leidenden Menschen, Tieren, Pflanzen, der ganzen leidenden Schöpfung zum Leben verhelfen? Damit Leiden Linderung erfährt oder gar erlöst werden kann, ist es zunächst nötig, dass es wahr- und ernstgenommen wird. Wie viele Menschen leiden daran, dass ihre Not nicht gesehen und anerkannt wird und damit offiziell nicht existiert. Sie fühlen sich missachtet, verkannt und alleingelassen, wodurch sich ihr Leiden noch vertieft.

In der Bibel wird oft erzählt, dass Jesus die Menschen wahrnimmt, die unter Krankheit, Trauer, Unzufriedenheit, Einsamkeit und anderen Nöten leiden. Ihnen wendet er sich auf Augenhöhe aufmerksam zu, fragt sie nach ihrer Not, spürt mit ihnen zusammen auf, wo und wodurch ihr Leben in die Sackgasse geraten ist und was sie brauchen. Er nimmt sie mit hinein in sein großes Vertrauen auf Gottes unendliche Möglichkeiten und weist ihnen damit einen Weg auf zu Befreiung, Heilung, Neubeginn, zum Leben.

Könnten wir uns darin begegnen, indem wir diesen Tag zum Anlass nehmen, um miteinander in Achtung und Liebe in den Blick zu nehmen, wo Leiden herrscht, wo das Leben beschnitten, unterdrückt, und zerstört wird? Sei es nun menschliches oder anderes Leiden, fremdes oder eigenes, persönliches oder strukturelles. Wenn wir versuchen, Leiden zu begreifen und zu würdigen, wenn wir es hineinnehmen in die Gemeinschaft und in das Vertrauen auf Gottes unendliche Möglichkeiten und miteinander aufrichtig und leidenschaftlich hoffen und wünschen, es zu lindern und zu beseitigen, dann ist schon viel geschehen im Sinne des Lebens. Dann finden wir neue Lösungen und Wege, befriedigende Gemeinschaft wird erlebbar, aus Leiden wird Leben. Davon profitieren alle und alles. Dazu sind alle eingeladen.

Ich wünsche uns allen dazu Gottes Kraft

 

Ihre Beate Schlumberger

Evang. Seelsorge Klinik am Eichert

 

 

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