Sonntagsgedanken: Gut sein.

Gut sein und Gutes tun lernen wir von Kindesbeinen an. Jeder Mensch möchte zumindest auch gut sein. Gute Eltern, eine gute Mutter, ein guter Vater sein oder ein guter (Ehe-) Partner oder ein guter Nachbar. Die Aufzählung könnte fortgesetzt werden.

Ein guter Mensch eben.

Und doch gilt mittlerweile das Wort „Gutmensch“ als Unwort oder gar als Schimpfwort? Eigentlich nicht denkbar und doch wurde es 2015 zum Unwort des Jahres gekürt und war bereits 2011 auf Platz zwei gelandet. In der Begründung der Jury hieß es, dass mit diesem Wort Toleranz und Hilfsbereitschaft als naives, dummes oder weltfremdes Helfersyndrom diffamiert werden. Was aber ist schlecht und weltfremd daran, tolerant und hilfsbereit zu sein?

Die Bibel ist voll von Geschichten, die von guten Taten erzählen und Gleichnissen, die uns Auffordern, Gutes zu tun. Ob in einer der bekanntesten Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt wird oder Matthäus im Evangelium (14, 13-21) über die Speisung der 5000 berichtet. Das hungernde Volk wird hier nicht weggeschickt, wie zunächst die Jünger es wollen, Jesus sagt stattdessen „Bringt sie mir her!“

Jetzt hat die Caritas dieses Jahr ausgerechnet das Wort „Gutmensch“ in sein Jahresmotto aufgenommen. Ein Unwort also.

Vielleicht eignet es jedoch sich gerade deshalb besonders gut als Motto für die Jahreskampagne. Denn die Deutungshoheit darüber, was „gut“ ist und was „gute Menschen“ sind, soll nicht denen überlassen werden, die den Begriff lächerlich und verächtlich machen. Es gibt in Deutschland – wie übrigens in Europa und weltweit – immer lauter werdende, menschenverachtende und intolerante Gruppen und Organisationen. Von ihnen ernten viele Menschen, die sich für den Nächsten, beispielsweise in der Flüchtlingshilfe oder in unterschiedlichen sozialen und ökologischen Projekten engagieren, Unverständnis und Ablehnung.

Viele Bereiche des öffentlichen Lebens sind von der Verrohung bestimmter Debatten und einem insgesamt zunehmend aggressiver werdenden Klima betroffen. Ein kurzer Blick in die sozialen Medien reicht, um sich davon ein Bild zu machen. Leider bleiben die Angriffe und Anfeindungen oft nicht virtuell, wie einige Vorfälle in jüngster Vergangenheit gezeigt haben.

Darf Helfen und solidarisches Handeln als Vorwurf gemeint sein? Soweit sollte es nicht kommen. Sollten diese Worte nicht besser als Kompliment verstanden werden? Das wäre schön und würde unsere Welt vielleicht nicht ganz gut, aber doch ein bisschen besser erscheinen lassen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Sonntag.

 

Gerhard Betz

Leiter der Psychologischen Familien- und Lebensberatung der Caritas

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