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Sonntagsgedanken: Bergpredigt

Dem Volk Israel war immer klar, dass die Tora, die Gottes Gesetz enthält, zum Leben gehört und führt. Um die Tora für das Leben tauglich zu machen, brauchte man daher immer wieder die Erinnerung und die Erklärung, das gemeinsame Ringen um den rechten, gerechten Weg. ES war aber wohl noch zu wenig, denn die Welt, wie sie war, war noch weit von Gerechtigkeit, von Menschlichkeit, von Barmherzigkeit entfernt.

Das ist in unserer Zeit nicht anders. Wir erleben Zeiten von Fluchtbewegungen, weil Menschen in ihren Ländern von Krieg und Tod bedroht sind, Leben dort schlichtweg verunmöglicht wird. Gleichzeitig spüren wir eine große Verhärtung und steigende Menschenverachtung, die sich auch in einem Rechtsruck und teilweisem Rechtsextremismus auswirkt, in unserer immer noch reichen Gesellschaft. Da wird von bestimmten Seiten Angst geschürt gegen AsylwerberInnen, MigrantInnen, Obdachlose, Arbeitslose und BezieherInnen von Mindestsicherung. „Wir sind ja schließlich kein Selbstbedienungsladen. Die, die zu uns kommen wollen, sollen abgeschreckt werden. Es soll ihnen nicht zu leicht gemacht werden.“ Die Gesetze der Bibel decken auf, benennen die Wirklichkeit als das, was es ist, ein Skandal, ein Ärgernis, ein Unrecht, weil Menschen noch immer nicht als Menschen leben können. Gemeinsam als Gemeinschaft. Jesus aktualisiert in seiner Bergpredigt das, was den Alten gesagt wurde und ergänzt mit einer neuen Praxis. Als er die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg, und er lehrte sie. Hier passiert also Entscheidendes. Nach den Seligpreisungen faltet Matthäus die Botschaft Jesu aus, bezeichnet die JüngerInnen und AnhängerInnen Jesu als Salz der Erde und Licht der Welt. Geschmackvoll leben, dem Schalen Würze verleihen und das beleuchten, was dem Leben, der Lebendigkeit, der Menschlichkeit dient. Die Wirkungsgeschichte der Bergpredigt will Betroffenheit erzeugen. Sie stellt uns die Frage, ob wir so weiterleben können und wollen wie bisher. Sie stellt uns weiter die Frage nach dem Ansatzpunkt und der Ausrichtung unseres Lebens. Sind wir Christen das Salz in einer säkularisierten Gesellschaft? Oder ist Gott nur eine Randerscheinung in unserem Leben deren wir uns je nach momentanem Bedürfnis bedienen.

Diakon Uwe Bähr, Bruder Klaus Jebenhausen

 

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