Sonntagsgedanken. Stille Lichtzeugen

Lichter sprechen für sich. Morgen brennt die 4. Kerze und am Heilig Abend werden die viele Christbäume in Kirchen und Wohnzimmer entzündet. Das Bild zeigt einen Christbaum bei warmen Mittelmeertemperaturen. Er steht in der Hafenstadt Haifa in Israel. Die Friedenstaube daneben mit den 9 Lichtern ist ein Chanukkaleuchter. Acht Tage lang wird auch dieses Jahr von morgen an jeweils ein Licht mehr in jüdischen Häusern, Synagogen und öffentlich entzündet.

Das jüdische Chanukkafest erinnert an ein Lichtwunder 200 Jahre vor Jesu Tod und Auferstehung. Der Tempel war entweiht worden. Als er zurückgewonnen wurde, gab es ganz wenig geweihtes Öl, das nur für einen Tag reichen würde, um den 7armigen Leuchter im Tempel brennen zu lassen. Das war schlimm, denn das Licht steht für die Anwesenheit Gottes in der Welt. Was wäre, wenn dieses Licht verlöschen würde? Auf wundersame Weise ging das Öl nicht aus und nährte die Flammen acht Tage lang bis das neue Öl eintraf.  Gottes Anwesenheit in der Welt war gerettet. Die Lichter an Weihnachten und beim Chanukkafest haben dieselbe Botschaft: sie sind ein stilles Zeichen für Gottes Anwesenheit in der Welt. Trotz dem Massenmord an Juden, trotz der unzählig vielen Schreckensbilder aus Kriegs- und Flüchtlingsgegenden, trotz der ungelösten Klimaprobleme halten Christen und Juden am lichten Zeugnis fest: Gott wirkt in unserer Welt still und leuchtend und friedenschaffend wie eine Kerze in der Nacht. Bei uns in Deutschland werden Chanukkaleuchter wieder öffentlich erleuchtet, z.B. am   Montag zum Chanukkabeginn in Stuttgart um 17.30 Uhr an prominenter Stelle vor dem Neuen Schloss. Pfr. Kuppler wird am morgigen Sonntag um 17.00 Uhr im jüdischen Museum in Jebenhausen die Chanukkabräuche erläutern. Für mich ist das öffentliche Entzünden von Chanukkaleuchtern bei uns in Deutschland ein modernes Lichtwunder: Ja ich glaube an Gottes stillwirkende Anwesenheit in unserer Welt und ich glaube, Christen und Juden bezeugen gemeinsam auf je ihre Weise mit ihren Lichtern diese Friedens- und Versöhnungsmacht unseres Gottes.

 

Pfarrer Markus Herb

Rechberghausen

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