Verkehrslagebild des Polizeipräsidiums Reutlingen für das Jahr 2014

Polizei kündigt weitere intensive und ursachenorientierte Kontrollen sowie Präventionsmaßnahmen an

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen ist im vergangenen Jahr um 1,7 % auf 27.116 angestiegen. Die Gesamtzahl der Verletzten und Getöteten hat sich im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls erhöht. Beim größten Teil der Unfälle handelt es sich um Unfälle mit Sachschaden, bei zwölf Prozent der Unfälle kamen Personen zu Schaden. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden beträgt rund 342.403.000 Euro.

Nach einem erfreulichen Rückgang der Verkehrstoten und Verletzten im Jahr 2013 ist die Zahl derer, die bei Verkehrsunfällen in den Landkreisen Esslingen, Reutlingen und Tübingen starben oder verletzt wurden, im Jahr 2014 wieder deutlich angestiegen. Bei 32 Unfällen verloren 36 Menschen ihr Leben (2013: 25 Unfälle/26 Getötete). Die Zahl der Schwerverletzten stieg um 32 auf insgesamt 728 an. 3.281 Personen und damit rund 100 mehr als im Vorjahr wurden leicht verletzt.

Die häufigste Unfallursache war mit 2.432 Unfällen Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren, gefolgt von 2.000 Vorfahrtsverstößen. Bei  Unfällen mit schweren Personenschäden, also Getöteten oder Schwerverletzten, ist aber mit bis zu 48 % überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit die Hauptursache. Alleine zwölf der 32 tödlichen Unfälle gehen auf das Konto Geschwindigkeit. Bei Geschwindigkeitskontrollen der Polizei wurden 2014 insgesamt 46.500 Verstöße festgestellt (Gurt: 7.100, Handy: 4088).

Die Zahl der alkoholbedingten Unfälle ging wie schon in den Vorjahren auch 2014 nochmals um vier Prozent auf 350 zurück. Die Unfälle mit Personen-schäden nahmen erfreulicherweise sogar um 17 % ab. Bei diesen Unfällen war ein Verkehrstoter zu beklagen. Neben wirksamen gesetzlichen Initiativen, wie zum Beispiel die Null-Promille-Grenze für Fahranfänger, zeigt hierbei auch der kontinuierliche Kontrolldruck der Polizei Wirkung. Dabei wurden 1.445Fahrzeugführer wegen Fahren unter Alkoholeinwirkung und 295 wegen Fahren unter Drogeneinwirkung zur Anzeige gebracht.

Motorisierte Zweiradfahrer (vom Mofa bis zum schweren Motorrad) waren bei den getöteten und schwer verletzten Verkehrsteilnehmern überproportional vertreten. Obwohl ihr Anteil am Unfallgeschehen im Jahr 2014 bei nur etwa 2,5 % lag, stellte diese Gruppe mit 14 Getöteten (2013: 6) fast 39 % der Verkehrstoten und mit 135 Schwerverletzten 19 % der schwer Verunglückten. Die Zahl der Zweiradunfälle stieg gegenüber 2013 um über sieben Prozent auf 673 an. Diese im direkten Vergleich zum Vorjahr relativ hohe Zuwachsrate fällt unter anderem auf die völlig unterschiedlichen Witterungsbedingungen der beiden Jahre und die im Jahr 2014 deutlich früher beginnende Motorradsaison zurück. Im Fünfjahresvergleich wird aber deutlich, dass der Mittelwert von 670 Zweiradfällen nur marginalüberschritten wird – im Gegensatz zu den Jahren 2011 und 2012, wo jeweils über 700 Unfälle registriert worden waren. Betrachtet man die Unfälle mit schwereren Motorrädern, bei denen 2014 mit 452 Unfällen ein Höchststand der letzten fünf Jahre zu verzeichnen ist, wird der  Durchschnittswert der letzten fünf Jahre um 20 überschritten. Die Hälfte der Unfälle verursachten die motorisierten Zweiradfahrer selbst. In fast 59 % der Unfälle waren überhöhte bzw. nicht angepasste Geschwindigkeit oder Fehler beim Überholen die Unfallursache. Bei Unfällen mit schwereren Motorrädern beträgt der Anteil dieser beiden Unfallursachen sogar 70 %.

Die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrradfahrern ist um 119 (14,7 %) auf 928 Unfälle gestiegen. Sechs Radfahrer wurden getötet, 2013 waren es fünf gewesen. Die Hälfte der im Jahr 2014 tödlich Verunglückten trug keinen Helm. 178 Radfahrer wurden schwer verletzt, das sind fast 15 % mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Leichtverletzten stieg um 21 %. In fast 59 % der Fälle setzten die Radfahrer die Unfallursache selbst. 268 Radfahrer und damit 70 mehr als 2013 verunglückten dabei ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Bei diesen sogenannten „Alleinunfällen“ starben zwei Menschen, 85 wurden schwer verletzt. Die Unfälle mit Beteiligungvon Elektrofahrrädern stiegen in den vergangenen Jahren entsprechend dem wachsenden Aufkommen stetig an. 2010 waren vier Unfälle verzeichnet worden, 2014 waren es 56 Unfälle. Zwei der sechs getöteten Radfahrer waren mit einem Elektrofahrrad unterwegs gewesen.

Die Anzahl der Fußgängerunfälle blieb mit 353 (2013: 348) nahezu unverändert. Bei diesen Unfällen starben zwei Fußgänger, 87 wurden schwer, 241 leicht verletzt.

Seit mehreren Jahren geht die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung der Risikogruppe „Junge Erwachsene“ (18 bis 24 Jahre) jeweils leicht, aber doch kontinuierlich zurück. Auch 2014 hat sich dieser Trend mit einem Rückgang um weitere zwei Prozent erfreulicherweise fortgesetzt. Bei den insgesamt 2.456 Unfällen kamen fünf Menschen, davon vier junge Erwachsene (2013: zwei), ums Leben. 208 Menschen wurden schwer, 1.107 leicht verletzt. Insgesamt 54 % der Unfälle wurden durch die jungen Erwachsenen verursacht. Jeder fünfte dieser Unfälle geht auf das Konto „Geschwindigkeit“, jeder vierte wurde durch Vorfahrtsverletzungen verursacht.

Ein geradezu umgekehrter Trend ist bei den Unfällen mit Senioren ab 65 Jahren zu verzeichnen. Entsprechend der demografischen Entwicklung steigen diese Unfälle seit mehreren Jahren nahezu gleichmäßig leicht an. 2014 waren es 2.133 Unfälle, 15 mehr als im Vorjahr. Viele dieser Unfälle gingen mit sehr schweren Folgen einher, starben doch hierbei 13 Menschen, elf davon – das sind 30 % der insgesamt im Präsidiumsbereich Getöteten – waren über 65 Jahre alt. Darunter sind vier Radfahrer, ein Fußgänger, fünf Pkw-Lenker und eine Beifahrerin. 181 Personen wurden schwer, 575 leicht verletzt. In rund62 % wurden die Unfälle von den Senioren verursacht. Als Hauptunfallursache liegt das Nichtbeachten der Vorfahrt mit 27 % an der Spitze, gefolgt von Fehlern beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (21 %) sowie Fehler beim Überholen und mangelnde Verkehrstüchtigkeit mit jeweils 18 %.

Mehr als jeder fünfte Verkehrsunfall zog eine Unfallflucht nach sich, wobei im Vergleich zu 2013 ein leichter Rückgang zu verzeichnenwar. Von den 5.659 Fällen (2013: 5.694) konnte fast jeder Dritte aufgeklärt werden. Eine noch höhere Aufklärungsquote wurde bei den 219 Unfallfluchten nach Unfällen mit Personenschaden erzielt, bei denen vier Schwer- und 18 Leichtverletzte zu beklagen waren. Hier wurde fast jeder zweite Fall geklärt.

Die Verkehrssicherheitskonzeption des Polizeipräsidiums Reutlingen: Kontrolle und Prävention

Mit einer umfassenden Verkehrssicherheitskonzeption wird das Polizeipräsidium Reutlingen einen Schwerpunkt in der polizeilichen Verkehrsprävention und der Verkehrsüberwachung setzen. Ziel ist es, die Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt, vor allem aber die mit schweren Folgen zu reduzieren. Kontrollen werden – orientiert am Verkehrsunfalllagebild – insbesondere hinsichtlich Geschwindigkeit, des Fahrens unter Drogen- oder Alkoholeinfluss, Gurt- und Handyverstößen sowie in Bezug auf bestimmte Risikogruppen wie z.B. Motorradfahrer und Radfahrer intensiviert. In den kommenden Wochen und Monaten werden deshalb präsidiumsweit – in Form von Kontrollstellen auch sichtbare – Schwerpunktaktionen durchgeführt.

Die Polizei setzt aber auch auf Aufklärung, weshalb zahlreiche Vorbeugungsveranstaltungen – und aktionen geplant sind:

Zielgruppe Motorradfahrer: An beliebten Fahrstrecken von Motorradfahrern werden auch in diesem Jahr wieder präventive Aktionen – ähnlich des letztjährigen Motorradaktionstages im Lautertal -durchgeführt. Hier begegnet man den Bikern auf Augenhöhe und appelliert in Zusammenarbeit mit Partnern der Verkehrssicherheitsarbeit an die Vernunft der Motorradbegeisterten, klärt über Fahrrisiken auf und verdeutlicht die lebensrettenden Vorteile einer defensiven Fahrweise.

Zielgruppe Radfahrer: Radfahrer jeden Alters werden auch 2015 wieder bei vielfältigen Aktionen  der Verkehrsprävention angesprochen- angefangen bei den jüngsten Verkehrsteilnehmern, welche in der vierten Klassenstufe die Radfahrausbildung genießen. 2014 waren das  knapp 10.000 Schülerinnen und Schüler. Beim  Projekt „Schulradler“, das 2014 mit dem Landespräventionspreis ausgezeichnet wurde, werden Fünftklässler auf ihrem Weg mit dem Rad zur neuen Schule von speziell durch die Polizei ausgebildeten Schulpaten der achten Klasse begleitet. Unter dem Motto „Schütze Dein Bestes“ werden sowohl Jugendliche im Schulunterricht als auch bei Aktionstagen für das Tragen eines Fahrradhelms  sensibilisiert. Auf den Trend zum Verkehrsmittel Pedelec und den damit verbundenen Verkehrsunfällen reagiert die Polizei mit Präventionsangeboten für Jung und Alt, um die Handlungssicherheit im Umgang mit Elektrofahrrädern zu stärken.

Zielgruppe Fußgänger: Die Polizei wird in den vielfältigen Bemühungen um die Sicherheit der  schwächsten Verkehrsteilnehmer nicht nachlassen und die erfolgreiche  Verkehrssicherheitsarbeit mit der Verkehrspuppenbühne sowie Lerngängen für  Vorschulkinder und Erstklässler im öffentlichen Verkehrsraum fortsetzen. Auch die Ausbildung von Schülerlotsen, Schulbusbegleitern, die Aktion „SchülerFair-Verkehr“ und Aktionen zum Schulanfang bis hin zum Fußgängertraining für Menschen mit Behinderung gehören dazu.

Zielgruppe „Junge Erwachsene“: Die Gruppe der jungen Erwachsenen bleibt für das Polizeipräsidium Reutlingen eine wichtige Zielgruppe für verkehrspräventive Aufklärung. Wie im Jahr 2014 werden auch 2015 junge Menschen bei Verkehrssicherheitstagen an Berufsschulen und Gymnasien über die Themen Geschwindigkeit, Rauschmittel und Fahrphysik aufgeklärt und für die besonderen Risiken sensibilisiert. Im Landkreis Reutlingen wird außerdem ein Verkehrssicherheitsmobil für die verkehrspräventive  Aufklärung bei dieser Zielgruppe eingesetzt. Zusätzlich werden junge Fahrer, die bereits mit der Straßenverkehrsordnung in Konflikt geraten sind, im Rahmen des sogenannten Diversionsverfahrens in speziellen Verkehrsunterrichten geschult und zu einer Verhaltensänderung motiviert.

Zielgruppe Senioren: Mit Vortragsveranstaltungen bis hin zu praktischen Übungen im Rahmen von Aktionstagen rückt die Gruppe der über 65 jährigen zunehmend in den Fokus der Verkehrsprävention.

„Sicherheit im Straßenverkehr hat großen Einfluss auf die Lebensqualität der Menschen. Die Polizei wird ihren Beitrag dazu leisten. Gefordert ist jedoch in erster Linie jeder einzelne Verkehrsteilnehmer, der durch sein Verhalten dazu beitragen kann, Verkehrsunfälle und deren schlimme Folgen zu verhindern“, stellt der Präsident des Polizeipräsidiums Reutlingen, Hans-Dieter Wagner, abschließend fest. (ak)

PM Polizeipräsidium Reutlingen

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