Flüchtlinge bieten eine Chance – Unternehmer diskutieren beim BVMW über den Fachkräftemangel

Wie können Unternehmen dringend benötigte Fachkräfte gewinnen und wie lassen sich Flüchtlinge als Arbeitsnehmer in die Betriebe integrieren? Fragen, für die es bei einer Veranstaltung des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) zur bundesweiten Fachkräftewoche in Uhingen viele Tipps und Anregungen gegeben hat.

BVMW FluechtlingeZwei brisante Themen standen im Blickpunkt bei der jüngsten Veranstaltung des BVMW bei der Firma EWS in Uhingen. In den Referaten ging es darum, wie Betriebe in Zeiten des Fachkräftemangels trotzdem freie Stellen mit qualifizierten Kräften besetzen können und darum, wie sich die zunehmende Zahl an Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt und in die Unternehmen integrieren lassen. BVMW-Kreisstellenleiter Lothar Lehner (Geislingen) freute sich nicht nur über eine große Zahl an interessierten Unternehmern, sondern auch über hochkarätige Referenten, die über die Themen aus der Praxis heraus berichten konnten. Sehr zur Freude auch von Bürgermeister Matthias Wittlinger, der in der Bewältigung der Flüchtlingskrise die Hauptaufgabe der Kommune sieht. Nur wenn ein Miteinander gelinge, sei dieses Problem zu bewältigen.

Albrecht Bühler von der Albrecht Bühler Baum und Garten GmbH in Nürtingen, der sich in der Initiative für Ausbildung engagiert, setzt darauf, als Fachkräfte für den eigenen Betrieb die eigenen Auszubildenden zu gewinnen. Die Unternehmen sollten deshalb ein Augenmerk auf den Nachwuchs legen und ihn nicht als preiswerte Helfer im Betrieb abtun. Um die Jugendlichen auch nach ihrer Ausbildungszeit für den Betrieb zu gewinnen, sollte dafür in der Lehrzeit der Grundstein gelegt werden. U.a. sollten ihre Stärken gefördert und ihnen schon mal verantwortungsvolle Aufgaben übertragen werden. Die Einhaltung der Ausbildungspläne, ein Ausbilder als fester Ansprechpartner, gemeinschaftliche Aktivitäten, die Anmeldung zu berufsbezogenen Wettbewerben, sowie die Vermeidung regelmäßiger Überstunden und ein frühzeitiges Übernahmeangebot festigen laut Bühler die Beziehung des Jugendlichen zum Betrieb.

Wie die Firma EWS Weigele GmbH & Co. KG in Uhingen Auszubildende als motivierte Mitarbeiter für sich gewinnt, berichtete Geschäftsführer Frank Weigele. Die Jugendlichen würden schon in ihrer Schulzeit an den Betrieb herangeführt. Das Unternehmen nutze dazu nicht nur die zahlreichen Bildungspartnerschaften, sondern biete zudem Jahr für Jahr zahlreiche Praktikumsplätze für Realschüler und Gymnasiasten. Außerdem präsentiere sich das Unternehmen auf der Uhinger Bildungsmesse. So habe man bisher immer alle Lehrstellen mit guten und begeisterungsfähigen Jugendlichen besetzen können. Diese würden schon früh mit in die Pflicht genommen und lernten, Verantwortung zu übernehmen. Dafür kämen sie auch in den Genuss diverser Leistungen des Betriebes für seine Mitarbeiter. Dazu gehöre auch, dass Auszubildende ab dem zweiten Lehrjahr von der an die Belegschaft ausgeschütteten Gewinnbeteiligung profitieren. Sie erhalten auch eine Tankkarte und können an den Präventionsmaßnahmen des Unternehmens im Gesundheitsbereich teilnehmen. Isabell Wehinger von der IHK-Bezirksammer Göppinger unterstrich die Initiativen ihrer Organisation, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Unter anderem setze die Kammer auch darauf, dass Frauen spätestens nach der Familienphase wieder in ihren Beruf zurückkehren.

Wie sich Flüchtlinge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren lassen berichtete Wilfried Hüntelmann, Vorsitzender der Geschäfts­führung der Agentur für Arbeit in Göppingen. Die Agentur sieht in dem Zustrom der Flüchtlinge nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance, um fehlende Fachkräfte zu gewinnen. Ziel müsse es sein, bereits Ausgebildete schnell zu vermitteln und Wege zu finden, um das berufliche Know-how der Flüchtlinge zu heben. Hüntelmann sieht auch die Chance, mit den Flüchtlingen Ausbildungsstellen zu besetzen, die lang frei geblieben sind. Vorrangig sei, den Flüchtlingen die notwendigen Sprachkenntnisse beizubringen und ihre beruflichen Qualifikationen und Kompetenzen zu ermitteln und gegebenenfalls zu verbessern. Für die Unternehmer sei zudem wichtig zu wissen, ob Flüchtlinge, die sie als Arbeitskräfte oder Auszubildende einstellen möchten, voraussichtlich für längere Zeit in Deutschland sein werden. Hüntelmann zeigte nicht nur die verschiedenen Fördermaßnahmen auf, sondern schilderte auch die Betreuung der Menschen durch die Agentur und des Jobcenters.

Sven Noak, Geschäftsführer der Eyeti Systems und Solutions GmbH & Co. KG in Nürtingen zeigte an einem Beispiel aus der Praxis auf, wie sich Flüchtlinge integrieren lassen. Noak ging in den Nürtinger Stadtteil  Neckarhausen in ein Haus, in dem ca. 50 Asylbewerber  untergebracht wurden, sponserte jedem eine Fußballausstattung (Trikot, Schuhe, etc.), ging auf Unternehmen und Vereine zu und organisierte einen Kick, in dem er zwei Mannschaften bildete. In beiden waren sowohl Unternehmer als auch Asylbewerber. Mittlerweile hat sich das Projekt so gut entwickelt, dass die Gruppe sogar im Kanzleramt in Berlin empfangen wurde und im Auswärtigen Amt.

Lothar Lehner zog ein positives Resumee von der Veranstaltung. Sowohl  die Referenten als auch der Teilnehmer hätten ein deutlich erkennbares Interesse gezeigt, die Probleme  Fachkräftemangel und Flüchtlingsstrom unter die Füße zu bekommen und den Willen gezeigt, aktiv einen Beitrag hierzu zu leisten. Mit einem Get-Together im Anschluss an die Veranstaltung mit guten Gesprächen und Impulsen klang der Abend aus.

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Von links nach rechts: Lothar Lehner (BVMW Göppingen), Christiane Görzen (Initiative für Ausbildung, Nürtingen), Sven Noak (Eyeti Systems und Solutions GmbH & Co. KG, Nürtingen), Isabell Wehinger (IHK Bezirkskammer Göppingen), Wilfried Hüntelmann (Agentur für Arbeit, Göppingen), Frank Weigele (EWS Tool Technologies, Uhingen), Albrecht Bühler (Albrecht Bühler Baum und Garten GmbH, Nüringen).

PM

 

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