Bereits über 2.300 Streikende an den Unikliniken Baden-Württemberg – Kampf gegen monatliche Kaufkraftverluste von über 600 Euro

Die mehrtägigen Warnstreiks an den vier baden-württembergischen Unikliniken werden heute und morgen in Freiburg und Heidelberg fortgesetzt. Nachdem am Montag und Dienstag bereits rund 1.000 Beschäftigte in Tübingen und Ulm die Arbeit niedergelegt hatten, streiken heute über 1.300 weitere Angestellte.

Bereits gestern hatten in Heidelberg 400 Azubis und OP-Beschäftigte mit den Warnstreiks begonnen. Viele streikbereite Beschäftigte verzichten auch heute auf ihr Streikrecht und arbeiten in den Notdiensten. Mit Beginn der Spätschicht kommen in Heidelberg und Freiburg weitere Streikende dazu. Die Beteiligung übertrifft die Erwartungen von ver.di deutlich. Irene Gölz, ver.di Verhandlungsführerin, sagte auf der Kundgebung in Freiburg: „Die Weigerung der Arbeitgeber, trotz ihrer Zusage vom Frühjahr, die Gehälter tabellenwirksam in 2022 und 2023 anzuheben, bedeutet für eine Pflegekraft einen dauerhaften Kaufkraftverlust von über 600 Euro im Monat. Dagegen setzen sich die Kolleginnen und Kollegen zur Wehr.“ Die Arbeitgeber wollen die Tabellenentgelte sowohl 2022 als auch 2023 nicht anheben. Dadurch entstünde für eine Pflegefachkraft, die nach fünf Jahren Dienstzeit seit 2021 derzeit 3.750 Euro im Monat verdient, durch die aktuelle und die prognostizierte Inflation bis Ende 2023 ein monatlicher Kaufkraftverlust von 672 Euro. Für eine medizinisch-technische Assistentin (MTA), die nach sechs Berufsjahren derzeit auf 3.505 Euro kommt, würde es 628 Euro weniger Kaufkraft bedeuten. Die bisher angebotene, nicht tabellenwirksame Einmalzahlung von 2.100 Euro (brutto für netto) kann die aufgelaufenen Kaufkraftverluste von über 10.000 Euro brutto über die beiden Jahre noch nicht einmal ausgleichen. Gegen die dauerhafte Entwertung der Gehälter helfen die Einmalzahlungen gar nicht.

Folgende Warnstreiks und Kundgebungen finden statt: Heidelberg: Warnstreik alle Beschäftigten am Donnerstag und Freitag, Kundgebung und Demonstration am Donnerstag um 13 Uhr vor der Alten Chirurgie am Haupteingang im Neuenheimer Feld 110. Freiburg: Warnstreik am Donnerstag und Freitag, Demonstration am 27.10. ab 13.30 Uhr ab Hörsaal Kilianstraße, Abschlusskundgebung um 14.30 am Platz der Alten Synagoge.

ver.di fordert 10,5 Prozent, mindestens aber 375 Euro pro Monat bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Für die Azubis fordert die Gewerkschaft 200 Euro pro Monat. Die PiAs kämpfen seit Monaten für eine gerechte Eingruppierung, die von den Arbeitgebern in die Entgelttarifrunde gezogen wurde. Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.

PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg

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