Nächste Woche mehrtägige Warnstreiks an den Unikliniken Baden-Württemberg

Ab Montag ruft ver.di zu jeweils mehrtägigen Warnstreiks an den vier baden-württembergischen Unikliniken auf. Damit will die Gewerkschaft vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. November ein deutliches Signal an die Arbeitgeber senden, dass die Beschäftigten nicht bereit sind, über 15 Prozent Reallohnverlust zu akzeptieren.

Notdienstvereinbarungen wurden an allen vier Standorten vereinbart. ver.di rechnet mit einer hohen Streikbeteiligung. Irene Gölz, ver.di Verhandlungsführerin: „Das Angebot der Arbeitgeber stellt eine bisher nicht vorstellbare Entwertung der Einkommen an den Unikliniken dar. Ende 2023 würden die Kolleginnen und Kollegen real mindestens 15 Prozent weniger verdienen. Weil auf dieser Basis keine ernsthaften Verhandlungen möglich sind, sehen wir uns gezwungen, die Tarifrunde ungewöhnlich früh zuzuspitzen. Wir werden die Arbeitgeber jetzt unmissverständlich an ihre Zusage vom Frühjahr erinnern, im Herbst tabellenwirksame Einkommenssteigerungen umzusetzen.“

Lena Mayr von der Uniklinik Tübingen, Mitglied der ver.di Verhandlungskommission: „Seit der ersten Verhandlungsrunde sind wir im intensiven Austausch mit den Beschäftigten auf den Stationen, in den Funktionsbereichen und der Verwaltung. Die Stimmung ist überall sehr angespannt. Es gibt eine tiefe Verbitterung und auch Wut, dass zur jahrzehntelangen Dauerbelastung und zur akuten Belastung durch die Pandemie jetzt nach dem Willen der Arbeitgeber auch noch eine ernstzunehmende finanzielle Belastung kommen soll.“

Folgende Warnstreiks und Kundgebungen finden statt: Tübingen: Warnstreik am Montag und Dienstag, Kundgebung am Montag um zwölf Uhr mit Irene Gölz vor dem Casino Unikliniken Berg. Ulm: Warnstreik Montag bis Mittwoch, Kundgebung am Montag um 9 Uhr am Uniklinikum auf dem Michelsberg, 9:00 Uhr Auftakt Prittwitzstraße, Abschlusskundgebung am Streiklokal im Gleis 44 in der Schillerstraße. Heidelberg: Spezieller Warnstreik für Azubis und OP-Beschäftigte am Mittwoch, Kundgebung und Demonstration 11 Uhr vor der Alten Chirurgie am Haupteingang im Neuenheimer Feld 110. Warnstreik alle Beschäftigten am Donnerstag und Freitag, Kundgebung und Demonstration am Donnerstag um 13 Uhr vor der Alten Chirurgie am Haupteingang im Neuenheimer Feld 110.  Freiburg: Warnstreik am Donnerstag und Freitag, Demonstration am 27.10. ab 13.30 Uhr ab Hörsaal Kilianstraße, Abschlusskundgebung um 14.30 am Platz der Alten Synagoge.

Das Angebot der Arbeitgeber vom 11. Oktober sieht eine auf 15 Monate befristete, abgabenfreie Zahlung in Höhe von 140 Euro (Azubis 70 Euro) monatlich vor. Erst ab dem 1. Januar 2024 soll es eine tabellenwirksame Erhöhung von 3,5 Prozent, ab 1. September 2024 soll es weitere 2,5 Prozent geben. Die Laufzeit soll insgesamt 27 Monate betragen, bis Ende 2024. Da im Frühjahr ein Kurzläufertarifvertrag mit einer Einmalzahlung abgeschlossen wurde, würde es erst nach insgesamt 22 Monaten Laufzeit eine tabellenwirksame Entgelterhöhung geben. Die Beschäftigten müssten bei diesem Angebot die vollständige Entwertung ihrer Einkommen durch die Inflation der Jahre 2022 und 2023 tragen.

ver.di fordert 10,5 Prozent, mindestens aber 375 Euro pro Monat bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Für die Azubis fordert die Gewerkschaft 200 Euro pro Monat. Die PiAs kämpfen seit Monaten für eine gerechte Eingruppierung, die von den Arbeitgebern in die Entgelttarifrunde gezogen wurde. Die Gewerkschaft erwartet außerdem Verhandlungen über eine bessere Regeleingruppierung der Sozialarbeiter:innen, eine Vorteilsregelung für ver.di Mitglieder von zusätzlich 50 Euro monatlich und einem weiteren freien Tag sowie eine freie Familienheimfahrt pro Monat für alle Azubis. ver.di ist bereit, in den Tarifverhandlungen auch über ein Modell zum Fahrradleasing zu sprechen.

Der Arbeitgeberverband hatte nach der Kündigung der Entgelttabellen im Januar überraschend eine Coronasonderzahlung angeboten, was nach zwei Verhandlungsrunden in einen 7-monatigen Kurzläufer-Tarifvertrag mit einer Coronaprämie von 900 Euro bzw. 600 Euro für die Azubis mündete, verbunden mit der Zusage der Arbeitgeber, im Herbst die Verhandlungen über eine tabellenwirksame Erhöhung nachzuholen. Die Friedenspflicht endete am 30. September. Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.

PM ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg

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